Güterwagen-Drehgestelle: Drei- und Mehrachsige 1 - Pressblech, genietet

Version 1.01.94.1, Stand: 17. Mai 2015

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Blech und Winkel - Innenrahmen, Blech und Winkel - Pressblech, genietet - Geschweißt - Pressblech, geschweißt (Einheitsbauart) - Niesky - Skandinavien

 
Grundlage für dieser Seite ist - wie prinzipiell bei dieser Darstellung über Güterwagen-Drehgestelle - die DV 939 d der Deutschen Bundesbahn und ihrer Vorgängerorganisationen. Diese Verzeichnisse erfassen jedoch nicht alle Fahrzeuge, die ihrem Verwendungszweck nach als Güterwagen erscheinen. Insbesondere Großgüterwagen, Tiefladewagen und Bahndienstwagen wurden in diesen Verzeichnissen entweder nicht systematisch oder überhaupt nicht vermerkt. Tiefladewagen wurden ab etwa 1936 in einem gesonderten Verzeichnis erfasst, der DV 934. In diesem Verzeichnis und seinen späteren Ausgaben werden die Drehgestelle dieser Wagen als zum Wagen gehörende, nicht tauschbare Bauteile begriffen und daher nicht weiter beschrieben. Nicht zuletzt aus diesem Grund führt das Kapitel "Tiefladewagen" hier nach wie vor ein Schattendasein.

Vor diesem Hintergrund erweist es sich als hilfreich, dass die Ausgaben der DV 939 d aus den Jahren 1928 und 1933 doch auch einige Tiefladewagen und deren Drehgestelle vermerken. So sind dort zwei dreiachsige genietete Pressblech-Drehgestelle vermerkt, die bei Tiefladewagen verwendet wurden. Dabei handelt es sich um Drehgestelle nach Zeichnung Ci 61 und Cg 138. Bedauerlicherweise sind beide Zeichnungen mindest auch im Bestand des Verkehrsmuseums Nürnberg nicht vorhanden.

Andererseits liegen aber eine Reihe von Fotos vor, die Skizzen der Tiefladewagen-DV 934 eindeutig zugeordnet werden können und die auch deren Drehgestelle recht gut erkennen lassen oder gar diese Drehgestelle in Einzelaufnahmen zeigen.

a) nach Zeichnung Ci 61
Laut DV 939 d (1928, 1933) wurden Drehgestelle nach Zeichnung Ci 61 bei Tiefladewagen SSt Köln nach Zeichnung Cf 70 und Ce 137 verwendet. Diesen Wagenzeichnungsnummern sind die Skizzen 5 (= Ce 137, DB: SSt 312) und 6 (= Cf  70) der DV 934 Verzeichnis der in den Wagenpark der Deutschen Reichsbahn eingestellten Wagen für außergewöhnliche Transporte. 3. Ausgabe von 1936 zuzuordnen.

Der erste Wagen nach "Skizze 6" wurde 1907 gebaut, die ersten Wagen nach "Skizze 5" 1908. Ab 1910 folgten weitere Wagen, wobei die Wagen nach "Skizze 6" ein doch deutlich verändertes Erscheinungsbld zeigten. Nach "Skizze 5" wurden mit Baulosen der Jahre 1912 und 1916 insgesamt 37 Einheiten gebaut.

Der erste, nach "Skizze 6" gebaute Wagen, der SSt Köln 1920, gelangte in den Bestand der ÖBB, war dort jahrelang im Einsatz und fotografisch mehrfach dokumentiert:
 
  6-achsiger Tiefladewagen DRB Köln 1920, 4335, 6369 SSt, van der Zypen und Charlier, 1907 und 1910
  Gestrichelte Änderung u. Klammermaße (...) gültig für Wagen 1920.*

  Quelle: Deutsche Reichsbahn: Verzeichnis der in den Wagenpark der Deutschen Reichsbahn eingestellten Wagen für außergewöhnliche Transporte.
  DV 934. 3. Ausgabe. Gültig ab Mai 1936. München (kopierte
 Auszüge, Sammlung Hermann Heless), Skizze 6

* Im Original schreibt die DV 934 (1936) die gestrichelten Änderungen und Klammermaße den Wagen 4335 und 6369 zu.  Fotos des ÖBB SSu 873 000 und dessen ursprüngliche DRB Nummer (1920) belegen, dass diese Angaben für den Wagen 1920 gelten.
 
6-achsiger Tiefladewagen nach Skizze 6, ÖBB SSu 873 000; Foto: ÖBB, Sammlung Hermann Heless
  6-achsiger Tiefladewagen DRB SSt 06 Köln, nach Skizze 6
  ÖBB SSu 873 000 (ex DRG SSt Köln 1920, van der Zypen und Charlier, 1907)

  siehe: Skizze 6 in: Deutsche Reichsbahn: Verzeichnis der in den Wagenpark der Deutschen Reichsbahn eingestellten Wagen für außergewöhnliche
  Transporte. DV 934. 3. Ausgabe. Gültig ab Mai 1936. 
München (Sammlung Hermann Heless)
  Foto: ÖBB, Sammlung Hermann Heless


 
3-achsiges Pressblechdrehgestell, genietet, mit einfachem Ausgleichshebel, nach Zeichnung Ci 61 (?); Foto: ÖBB, Sammlung Hermann Heless
  3-achsiges Pressblech-Drehgestell, genietet, mit einfachem Ausgleichshebel (nach Zeichnung Ci 61?)

  ÖBB SSu 873 000, ex DRB SSt Köln 1920
  Foto: ÖBB (1952 ?), Sammlung Hermann Heless

Eindeutig erkennbar ist, dass dieses im Jahr 1907 nach Zeichnung Ci 61 gebaute Drehgestell lediglich einen Ausgleichshebel hat, während die Federn der zweiten und dritten Achse an einem festen Federnbock aufgehängt sind.

Zu weiteren Wagen nach "Skizze 6" liegen mir keine Fotos vor.

Von den Wagen nach "Skizze 5" kenne ich bislang nur ein Foto (Sammlung Bastisch, http://www.angertalbahn.de/sonst/SD4.html, Deutsche Reichsbahn SSt Köln 9263, vdZuCh, 1910). Auf diesem Foto meine ich ein Drehgestell mit zwei Ausgleichshebeln je Seitenwange zu erkennen. Ein solches Drehgestell hat auch Martin Krüger fotografiert (Ausschnitt s. unten). An Hand der auf dem Foto sichtbaren Merkmale gehe ich davon aus, dass es sich bei dem Wagen ebenfalls um einen Tiefladewagen nach "Skizze 5"/SSt 312 handelt.
 
3-achsiges Pressblechdrehgestell, genietet, mit doppeltem Ausgleichshebel, nach Zeichnung Ci 61; Foto: Martin Krüger
  3-achsiges Pressblech-Drehgestell, genietet, mit doppeltem Ausgleichshebel (nach Zeichnung "Ci 61")

  SSt 312 (nach Skizze 5), Wagennummer unbekannt; Foto: Martin Krüger, Dieringhausen
  (Abbildung spiegelverkehrt um den Vergleich mit der anderen Drehgestell-Ausführung zu erleichtern.)

Soweit sich das an Hand der vorliegenden Fotos beurteilen lässt, unterscheiden sich diese beiden Drehgestell-Varianten  lediglich hinsichtlich der Federaufhängung zwischen der zweiten und dritten Achse. Auf Grund der Tatsache, dass der "SSt Köln 1920" (nach Skizze 6, der spätere ÖBB SSu 873 000) älter ist als die Wagen nach Skizze 5, vermute ich, dass die Ausführung mit doppeltem Ausgleichshebel jünger ist. Denkbar ist, dass diesen älteren Drehgestellen nach einer anderen Zeichnung gebaut wurden. Möglich ist aber auch, dass es von dieser Zeichnung zwei Auflagen gegeben hat. Die Angaben in der DV 939 d (1928, 1933) deuten eher auf die zweite Möglichkeit hin. Das diese Frage vermutlich nicht mit letzter Sicherheit zu klären sein wird, wird hier bei der Ausführung mit einfachem Ausgleichshebel hinter die Zeichnungsnummer ein Fragezeichen, die Zeichnungnummer der Ausführung mit doppeltem Ausgleichshebel in Anführungszeichen gesetzt.
 

b) nach Zeichnung Cg 138
Drehgestelle nach Zeichnung Cg 138 wurde DV 939 d (1933) nach bei Tiefladewagen SSt Köln nach Zeichnung Cf 59 verwendet.  Dieser Wagenzeichnungsnummer ist die Skizze 11 der DV 934 Verzeichnis der in den Wagenpark der Deutschen Bundesbahn eingestellten Wagen für außergewöhnliche Transporte. 4. Ausgabe von 1953 zuzuordnen.
 
 
  6-achsiger Tiefladewagen DB SSt 322, 980 104 bis 980 109,  van der Zypen und Charlier, 1905 bis 1914

  Quelle: Deutsche Bundesbahn: Verzeichnis der in den Wagenpark der Deutschen Bundesbahn eingestellten Wagen für außergewöhnliche Transporte.
  DV 934. 4. Ausgabe vom November 1953. Minden (Westf.),
Skizze 11


 
6-achsiger Tiefladewagen nach Skizze 11, ÖBB SSu 873 003; Foto: ÖBB, Sammlung Hermann Heless
  6-achsiger Tiefladewagen DRB SSt 06 Köln, nach Skizze 11

  ÖBB SSu 873 003Foto: ÖBB, Sammlung Hermann Heless

Der erste Wagen nach Skizze 11 wurden bereits 1905 gebaut, weitere 8 Wagen entstanden in den Jahren 1907, 1913 und 1914. Der nach dem Krieg bei den ÖBB verbliebene SSu 873 003 hat - auf dem vorstehenden Foto im Original noch erkennbar - Drehgestelle mit doppeltem Ausgleichshebel. Das könnte bedeuten, dass es auch dieses Drehgestell in zweierlei Ausführung (mit einfachem und mit doppeltem Ausgleichshebel) gegeben hat.

Ansonst unterscheiden sich die Drehgestelle nach Zeichnung Cg 138 von den Drehgestellen nach Zeichung Ci 61 im wesentlichen nur dadurch, dass die Drehgestelle nach Zeichnung Cg 138 als "Puffer-Drehgestelle" ausgebildet sind. 

Baugleiche Drehgestelle könnten die in Skizze 13 der DB DV 934 von 1953 dargestellen Wagen SSt 314, Wagennummer 980 113 und 114 (Hersteller: van der Zypen und Charlier, 1914, Tragfähigkeit 55 t, Achsstand 1500 mm) gehabt haben.
 
 
  3-achsige Pressblech-Drehgestelle, genietet   nach Ci 61  nach Cg 138
  Achsstand   3000 mm   3000 mm
  maximaler Laufkreis-Durchmesser   (1000 mm)   1000 mm
  Achsschenkelmittenabstand    
  Blatt-Tragfedern    
    Gestreckte Länge   1000 mm   1000 mm
    Anzahl der Federblätter   11   11
    Federblattquerschnitt   90 x 13 mm   90 x 13 mm
    Traghöhe  
  erstes Baujahr  1907  1905

Quellen:
Deutsche Bundesbahn: Verzeichnis der in den Wagenpark der Deutschen Bundesbahn eingestellten Wagen für außergewöhnliche Transporte. DV 934. 4. Ausgabe vom November 1953. Minden (Westf.)
Deutsche Reichsbahn: Verzeichnis der in den Wagenpark der Deutschen Reichsbahn eingestellten Wagen für außergewöhnliche Transporte. DV 934. 3. Ausgabe. Gültig ab Mai 1936. München (kopierte Auszüge, Sammlung Hermann Heless)
Deutsche Reichsbahn: Merkbuch für die Fahrzeuge. IV. Wagen (Regelspur) DV 939d, Teil A,  Ausgabe 1933 (kopierte Auszüge ohne Titelblatt, bibliograph. Angaben nicht gesichert)
Deutsche Reichsbahn: Merkbuch für die Fahrzeuge. IV. Wagen (Regelspur) DV 939d, Teil A,  Ausgabe 1928 (kopierte Auszüge ohne Titelblatt, bibliograph. Angaben nicht gesichert)
Heless, Hermann: Persönliche Mitteilungen

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