Güterwagen-Drehgestelle mit Wiege: Görlitz (2600 mm Achsstand)


Version 4.01.87.1, Stand: 31. Juli 2010

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Drehgestelle mit Wiege - Hauptseite - Görlitz (2600 mm Achsstand) - Kühlwagen - Schlieren - WUS/Opel, BA 701, 2. Besetzung
 

1. Görlitz-Drehgestelle
1923 hatte die WUMAG in Görlitz ein völlig neues Reisezugwagen-Drehgestelle entwickelt, bei dem die Wiege auf Blattfedern, die in Längsrichtung angeordnet sind, gelagert ist. Ab 1929/30 stand die Ausführung "Görlitz III" zur Verfügung, bei der erstmals auf Wiegependel verzichtet werden konnte, da hier die längsgestellten Wiegenfedern in Schaken aufgehängt waren.
 
 
  Reisezugwagen-Drehgestell
  "Görlitz III leicht", genietet, 
  mit dreifacher Federung (1932)
 

  Quelle: 
  Madeyski, Dr.-Ing. Thilo von: Drehgestelle für 
  Reisezugwagen (in: Elsners Taschenbuch der 
  Eisenbahntechnik 1975, S. 331)

Hauptunterscheidungsmerkmale:
 
1. Baujahr  Bezeichnung  Unterscheidungsmerkmal   Achsstand  Federung
 1923  Görlitz I  Wiegenfedern in Längsrichtung  3 600 mm  2-fach
 1926  Görlitz II   3. Federung (Kegelstumpf-, ab 1928 
 Schraubenfedern 
 3600 mm  3-fach
 1929/30 ?  Görlitz III schwer*  Aufhängung der Wiegenfedern mit Schaken  3600 mm  3-, 4-fach
 1929/30 ?  Görlitz III  leicht*  Achsstand 3000 mm, zahlr. Ausführungsvarianten  3000 mm  3-, 4-fach
 1932/34 ?  Görlitz IV leicht*  für Triebwagen (VT, VS, VB); Achsstand 3000 mm, 
 Laufkreisdurchmesser 900 mm
 3000 mm  3-fach
 1934  Görlitz (2600 mm)  für Schnellgüterwagen, Achsstand 2600 mm  2600 mm  3-fach
* zunächst in genieteter Ausführung, ab 1932 zunehmend in geschweißter Ausführung

An dieser Stelle sei ausdrücklich daraufhin gewiesen, dass die vorstehende Übersicht lediglich einen groben Überblick über die Entwicklung der Görlitz-Drehgestelle geben kann. Insbesondere die Drehgestelle der Bauart Görlitz III wurden in zahlreichen Versuchs- und daraus hervorgegangenen Serienausführungen gebaut.

2. Görlitz IV
Für vierachsige Verbrennungstriebwagen, deren Steuer- und Beiwagen wurden ab 1932 von der WUMAG die Drehgestell-Bauart Görlitz IV entwickelt, für die Radsätze mit einem Laufkreisdurchmesser von 900 mm vorgesehen waren. Diese wurde auch bei den 96 Mitteleinstiegwagen verwendet, die in den Jahren 1935 und 1936 für die Strecken Heidenau - Altenberg beschafft wurden. Leider ist mir bislangüber die Ausführung der Triebwagen-Drehgestelle der Bauart Görlitz IV nichts Näheres bekannt. Die Drehgestelle der Mitteleinstiegwagen haben in der Serienausführung (Baujahr 1936) 7-lagige Wiegen- und 5-lagige Achsfedern (Görlitz III Leicht: 8/9/10-lagige Wiegenfedern, 5-lagige Achsfedern). Im Gegensatz zu den "Görlitz III leicht" ist die Außenseite derl der Längsträger wie bei den Görlitz-Drehgestellen mit 2600 mm Achsstand glatt.

3. Görlitz (2600 mm Achsstand)
1934 wurden von der WUMAG ein gedeckter Güterwagen entwickelt, der als Expressgutwagen in schnelllaufende Züge einzustellen sein sollte. Nach damaliger Auffassung musste ein solcher Wagen als Drehgestellwagen ausgeführt sein. In enger Anlehnung an die vorhandenen Bauarten Görlitz III Leicht und Görlitz IV Leicht entwickelte die WUMAG ein entsprechendes Drehgestell mit 2600 mm Achsstand und einem maximalen Laufkreis-Durchmesser von 940 mm.

"Der Rahmen der Drehgestelle (der Expressgutwagen - Anm. d. Red.) ist aus Regelformstählen zusammengeschweißt. Für die Langträger wurde [ - Formstahl NP 18 und für die Querträger [ - Formstahl NP 12 verwendet. Die Kopfstücke bestehen aus [ - Formstahl NP 10,5 bzw. NP 12. Die an den Rahmen angeschweißten Achshalter sind aus 16 mm dicken Breitstählen hergestellt; sie werden paarweise durch je einen Flachstahlachshaltersteg zusammengehalten. Die Tragfähigkeit des Langträgers wird erhöht durch Flachstahlzugbänder, die die Achshalterpaare jeder Drehgestellseite untereinander verbinden.

Jedes Drehgestell ist mit einer Wiege ausgerüstet. Die Drehpfannen sind bei einem Wagen als Kugelpfannen und bei den übrigen Wagen als Stufenpfannen ausgebildet. Zur Erzielung der senkrechten Drehgestellausschläge beim Auffahren auf Fähren sind die oberen bzw. seitlichen Wiegengleitstücke nach den Enden zu abgeschrägt." (Luther, Köpke, Taschinger: Güterwagen)

Auf Grund der verwendeten Profile haben die Langträger dieser Drehgestelle eine "glatte" Außenfläche, während die "Görlitz III Leicht" eine nach außen gedrehte Profilansicht erkennen lassen. 

Die Drehgestelle dieser beiden Wagenbauarten unterschieden sich hinsichtlich der Federung:
 
  Expressgutwagen Stallungswagen  Einheit
 Zeichnungsnummer (Drehgestell) Dg 337 a Dg 423  
 Werkstoff
 St 37
 Achsstand
2600 
2600 
 mm
 maximaler Laufkreis-Durchmesser
940 
   mm
 Federung      
 A) Drehgestell gegen Achsen      
      Blatttragfedern      
           Gestreckte Länge  900  900   mm 
           Anzahl der Federblätter  5   Stück
           Federblattquerschnitt 120 x 13  90 x 13   mm 
      Dritte Federung - Schraubenfedern      
           Abmessung des Stahls                               22 x 22                      22 x 22   mm
           Anzahl der Windungen                                      3,5     Stück
 B) Wagenkasten gegen Drehgestell      
     Wiegenfedern      
           Gestreckte Länge  1360  1360   mm 
           Anzahl der Federblätter  7   Stück 
           Federblattquerschnitt  120 x 16  120 x 16   mm 
 erstes Baujahr
 1934 
 1936 
 

Je ein Foto der beiden Wagenbauarten findet sich in: "Carstens, Stefan; Ossig, Rudolf: Güterwagen Band 1: Gedeckte Wagen" auf den Seiten 94 und 95. Recht gut sind auf den Fotos auch die Drehgestelle der Wagen zu erkennen.

Quellen:
Carstens, Stefan; Ossig, Rudolf: Güterwagen Band 1: Gedeckte Wagen. Nürnberg 1989
Deppmeyer, Joachim: Die Einheits-Personen- und Gepäckwagen der Deutschen Reichsbahn. Bauarten 1921 - 1931 - Regelspur -. Stuttgart 1982
Deppmeyer, Joachim: Die Einheits-Personen- und Gepäckwagen der Deutschen Reichsbahn. Bauarten 1932 - 1937 - Regelspur -. Stuttgart 1988
Deutsche Bundesbahn: Merkbuch für die Schienenfahrzeuge der Deutschen Bundesbahn. Güterwagen. Band 2. DV 939 F,  Januar 1967 und nachfolgenden Berichtigungen (bis B 12)
Luther, Köpke, Taschinger: Güterwagen. Nachgedruckt in: Steiger Verlag (Hrsg.): Eisenbahnwagen in Originaldokumenten: eine internationale Übersicht aus "Organ für Fortschritte des Eisenbahnwesens in technischer Beziehung" Teil 3: 1910 - 1943, Text- und Tafelband. Moers, 1986/87; Seite 221 ff.
Madeyski, Dr.-Ing. Thilo von: Drehgestelle für Reisezugwagen (in: Elsners Taschenbuch der Eisenbahntechnik 1975, S. 322 - 346)
Schinke, Reichsbahnrat: Der heutige Stand der Laufverbesserung bei Eisenbahngüterwagen (= Verkehrstechnische Woche. Zeitschrift für das gesamte Verkehrswesen, Heft 40 vom 2. Oktober 1935, S. 517 - 524)
Zschech: Triebwagen deutscher Eisenbahnen.Band 2: VT und DT. Berlin 1966 (Manuskript abgeschlossen am 31. 12. 1977)
 


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