Güterwagen-Drehgestelle: Y 25 - Porter, Marpent; HKPF 63 M1, HKPF 63 M3
Version 1.01.99.1, Stand: 2. Mai 2018

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verwandtes Thema: Güterwagen-Drehgestelle: Dreiachsige - Y 25

Zu diesen ab 1963 von H. K. Porter France SA (HKPF) Usines de Marpent (M) gebauten, mit den Y21 und Y23 eng verwandten Drehgestelle (Anm. 1, Anm. 2) liegen bislang nur wenige Sichtungen, einzelne Detailaufnahmen, aber keine Zeichnungen, keine Datenblätter mit technischen Angaben und somit nur wenige gesicherte Angaben vor. 


Drehgestell HKPF 63 M1, Ausführung mit bogenförmigen Bremsklotz-Hängeeisen, Baujahr 1963; Kesselwagen 33 RIV 87 SNCF 788 1 879-3 [P], ERMEWA,
ex 21 RIV 87 SNCF 007 0 712-6 [P], ex SNCF P 5553774, S.M.T.S.; Neubau: H. K. Porter France, 1964, Fotos: Roeland de Jong, Amsterdam Westhaven, 23. Februar 2008



Drehgestell HKPF 63 M3, ohne Kopfquerträger (und ohne Bremseinrichtung), Baujahr 1964; Sogerail Werkswagen zum Schienentransport RR 809, Neubau H. K. Porter, 1964,
Fotos: Marc Schmitz, Ebange/Uckange, 28. Juli 2017

Zweiachsige Normalspur-Drehgestelle für Güterwagen.

Geschweißte H-förmiger Rahmen mit seitlichen Langträgern und Hauptquerträger, bestehend aus Blechen und Walzprofilen, festen seitlichen Gleitstücken und gegossenen Radsatzführungen. Mit starrer Radsatzführung und Schraubenfederung. Ineinandergeschachtelte Schraubenfedern (insgesamt 8 Schraubenfedern je Drehgestell) mit Dämpfer nach dem Lenoir-Prinzip an den äußeren (vgl. Y21, Y23, Y25: inneren) Radsatzführungen. Radstand 2000 mm.
Ausführung "HKPF 63 M1" (ähnlich Y21): mit rohrförmigem Kopfquerträger, U-trägerförmigen Längsstreben zur Aufnahme des Bremsgestänges und beidseitig wirkender geteilter Klotzbremse, im Schwerpunkt aufgehängte Bremsklotzschuhe mit ungeteilten Grauguss-Bremssohlen.
Ausführung "HKPF 63 M3" (ähnlich Y23): ohne Kopfquerträger.

Für die naheliegenden Annahmen,
- dass beide Ausführungen eine kugelförmige Drehpfanne mit Radius 190 mm haben,
- dass bei beiden Ausführungen der max. Laufkreisdurchmesser 920 mm beträgt,
- dass bei beiden Ausführungen die Dämpferschake in ihren Abmessungen identisch ist mit denen der Y21, Y23 und Y25 C,
- dass die Ausführung ohne Kopfquerträger ("HKPF 63 M3") ursprünglich eine einseitig von innen wirkende Bremse hatte,
liegen bislang bisher keine eindeutigen Belege vor.

Ebenso liegen zu den Varianten des HKPF 63 M1 (mit Kopfquerträger) keine genaueren Informationen vor. Zum einen kommen bei diesen Drehgestellen mit beidseitig wirkender Bremse teils gebogene, teils flache Bremsklotz-Hängeeisen zum Einsatz.


Bremsklotz-Hängeeisen bei Drehgestellen HKPF 63 M1, links: bogenförmige Hängeeisen, rechts: flache Hängeeisen; Fotos: Marc Schmitz, St.Denis de l'Hotel, 5. Juni 2011


Drehgestell HKPF 63 M1, Ausführung mit flachen Bremsklotz-Hängeeisen, Baujahr 1964 (?); Sogerail Werkswagen zum Schienentransport RR 849,
Fotos: Marc Schmitz, Ebange/Uckange, 28. Juli 2017

Zum zweiten finden sich an den HKPF M1 unterschiedliche Ausführungen der Konsolen für die Abhebesicherung, deren Entstehungszusammenhänge ebenfalls unbekannt sind.


Abhebesicherungs-Konsolen bei Drehgestellen HKPF 63 M1, links: vertikal angeordnete Flachbleche, zum Seitenwangen-Stehblech hin trapezförmig zugeschnitten,
Mitte: aus mehreren geschmiedeten und gewalzten Teilen Schweißkonstruktion (nachträglich verstärkt?), rechts: Walzprofil(e);
Fotos: Marc Schmitz, St.Denis de l'Hotel, 5. Juni 2011 (links, Mitte), Ebange/Uckange, 28. Juli 2017 (rechts)

Datenblatt
Da über die im Text angegebenen Abmessungen keine weitere Daten vorliegen, wurde kein gesondertes Datenblatt erstellt.


Verwendung
Auf Grund fehlender Unterlagen sind keine systematischen Aussagen zur Verwendung von HKPF 63-Drehgestellen möglich.
- Einzelne wenige Beobachtungen lassen vermuten, dass HKPF 63 M1 - Drehgestelle für damals in Marpent gebaute Mineralöl-Kesselwagen verwendet wurden.
- Marc Schmitz hat beide Ausführungen (HKPF 63 M1 und M3) unter Wendel/Sogerail Werkswagen RR (für Schienentransporte, Nr. 809, 818, 830, 849) gesichtet (Anm. 3).
Auffällig ist an diesen Wagen, dass an den Deckeln der Radsatzlager-Gehäuse der Flansch für den konventionellen Abhebesicherungs-Anker nicht (mehr?) vorhanden ist, diese Sicherung wird nun durch eine provisorisch wie aus einem Schienenprofil-Abschnitt geschmiedet wirkende Bügelkonstruktion gewährleistet.

Anmerkungen
Anm. 1 (Bauartbezeichnung):
Eine offizielle, vom Hersteller oder von der SNCF verwendete Bezeichnung dieser Drehgestelle  ist mir nicht bekannt. In einer nicht mehr verfügbaren Internetseite des französischen Modellbahnhändlers Apocopa fand sich  die Bezeichnung "M1" für die Ausführung mit Kopfquerträger. Mir erschien diese Bezeichnung nicht hinreichend deutlich, so dass ich mich für eine Bezeichnung aus Herstellerangabe (
H. K. Porter France), erstem Baujahr (1963), einer abgekürzten Ortsangabe (Marpent) und der letzten Stelle der vergleichbaren SNCF-Bauart (Y21, Y23) entschieden habe.

Anm. 2 (Baume & Marpent/Aciéries et Ateliers de Constructions de Marpent):
Das Werk im nordfranzösichen Marpent entstand 1882 als weiterer Standort der 1853 im belgischen Baume (früher Teilort von Haines-Saint-Pierre, heute
La Louvière, 
ca. 25 km nördlich von Marpent) von Clément Delbecque gegründeten Eisengießerei zur leichteren Erschließung des französischen Marktes ("Baume & Marpent. Usines et Fonderies (Société Anonyme)" [1].
Mitte der 1950er Jahre führten wirtschaftlich Schwierigkeiten zur Ausgliederung des französischen Werksteils mit rund 1200 

Mitarbeitern [2]. 1963 erfolgte die Übernahme der "Aciéries et Ateliers de Constructions de Marpent" durch die nordamerikanische H. K. Porter Gruppe, und zur Umbenennung in einer "H. K. Porter France SA Usines de Marpent". Die H. K. Porter Gruppe ist eine Investmentgesellschaft, die Ende der 1940er Jahre aus der von Henry Kirke Porter 1866 in Pittsburgh gegründeten Lokomotivfabrik hervorgegangen ist [3].
1977 "H. K. Porter France" das Stahlwerk in Marpent und verkauft auch die verbliebenen Werksteile an ein lothringisches Unternehmen, das 1979 den Betrieb endgültig einstellen musste. Das Betriebsgelände wurde von der Gemeinde Marpent erworben und nach Abbruch der Gebäude renaturiert [1].

Anm. 3 (Wendel/Usine Saint Jacques/Sogerail): Seit dem Kauf einer Schmiede im Hayingen (Hayange, Lothringen) im Jahr 1704 war die Familie de Wendel in Lothringen ansässig, betrieb Eisenverarbeitung, ab Mitte des 19. Jahrhunderts Kohlebergwerke (z. B. in Kleinrosseln/Petite-Rosselle) und ab 1871 Hüttenwerke, die in Hayingen 1892 mit einem Walzwerk, der Usine Saint Jacques ergänzt wurden [4].
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in der französischen Stahlindustrie wiederholt zur Bildung von Gemseinschaftsunternehmen und Fusionen. So gelangte das Hayanger Walzwerk ab 1948 zur
Sollac, die 1964 durch die Fusion mit Sidelor zur Sacilor, die wiederum 1960 mit der Usinor fusionierte. 1994 wurde das Schienenwalzwerk Usine Saint Jacques aus der Salicor ausgegliedert in die Usinor-Tochtergesellschaft Sogerail umgewandelt und 1999 an Britsh Steel Corporation (BSC) verkauft, die nach der Fusion mit den Koninklijke Nederlandse Hoogovens unter dem Namen Corus firmierte. Nach dieser Umwandlung walzte das Hayinger Werk das Zeichen "CORUS HY" in die dort produzierten Schienen ein. 2007 wurde Corus vom indischen Stahlunternehmen Tata Steel übernommen, das Hayingern Werk in Tata Steel France Rail SA umbenannt. 2010 modernisierte Tata Steel das Werk in Hayange, in dem seither bis zu 108 m lange Schienenprofile gewalzt werden können. 2016 verkaufte Tata Steel die Langstahl-Produktion einschließlich des Werks in Hayingen an Greybull Capital, die das Unternehmen in British Steel Limited umbenannte [5].


Quellen:
de Jong, Roeland: Persönliche Informationen
Jansen, Jaap: Persönliche Informationen
Schmitz, Marc: Persönliche Informationen

zu Anmerkung 2:
[1] Gemeinde Marpent: Brève histoire de la Commune; (http://www.marpent.fr/spip.php?article3 - 28. 08. 2017)
[2] Wikipedia: Baume & Marpent;
Online: https://it.wikipedia.org/wiki/Baume_%26_Marpent - <abgerufen 28. 08. 2017>
[3] Wikipedia:
H.K. Porter, Inc.
Online:
https://en.wikipedia.org/wiki/H.K._Porter,_Inc. - <abgerufen 28. 08. 2017>
- ASBL Patrimoine industriel Wallonie-Bruxelles (Industrial heritage of Wallonia and Brussels),
Guénaël Vande Vijver: Baume & Marpent: Itinéraire d’un géant; Bulletins 66, 67 - 68, 2006, 2007;
Online: http://www.patrimoineindustriel.be/public/files/publications/bulletins/piwb/articles/66/2006_07-09N66_003.pdf und
http://patrimoineindustriel.be/public/files/publications/bulletins/piwb/articles/67-68/2006_10-2007_03N67-68_006.pdf - <abgerufen 28. 08. 2017>
- Association pour l’histoire des chemins de fer (AHICF): Baume & Marpent, De la Haine au Nil… Itinéraire d’un géant - Coll. (recueil de textes);
Online: http://www.ahicf.com/baume-marpent-de-la-haine-au-nil-itineraire-d-un-geant-coll-recueil-de-textes.html - <abgerufen 28. 08. 2017>
- Belgian Club Brasil:
Société Anonyme Baume & Marpent (1853 - ?);
Online: http://belgianclub.com.br/fr/creator/soci%C3%A9t%C3%A9-anonyme-baume-marpent-1853 - <abgerufen 28. 08. 2017>
- Callisto: Le Blog de Callisto, Index Trams: Baume & Marpent, Haine-Saint-Pierre, Belgique;
Online: http://leblogdecallisto.blogspot.de/2015/07/baume-marpent-haine-saint-pierre.html - <abgerufen 28. 08. 2017>
- Tassignon, Patrick: Catalogue Baume et Marpent (1908);
Online:
http://www.tassignon.be/trains/PDF/Baume-Marpent_1908.pdf - <abgerufen 28. 08. 2017>

zu Anmerkung 3:
[4] SWR, WDR/Planet Schule: Wissenspool. La France et ses régions. Hintergrund: Die Stahlkrise
Online: https://www.planet-schule.de/wissenspool/la-france-et-ses-regions/inhalt/hintergrund/lothringen-lorraine/die-stahlkrise-la-crise-de-la-siderurgie.html - <abgerufen 28. 08. 2017>
[5] Wikipedia-Seiten zu den Stichworten: Hayange, Usine Saint Jacques; Sollac, Sidelor, Usinor, Sogerail, Corus, Tata Steel u. a.
Online: http://www.wendelgroup.com/en/industrial-and-family-roots - <abgerufen 28. 08. 2017>,
http://www.fundinguniverse.com/company-histories/usinor-sacilor-history/ - <abgerufen 28. 08. 2017> und
http://www.railwaygazette.com/news/business/single-view/view/tata-steel-completes-rail-plant-upgrade.html - <abgerufen 28. 08. 2017>
http://www.steel-photo.org/tag/usine-saint-jacques/ - <abgerufen 28. 08. 2017>


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