Güterwagen-Drehgestelle: Kirow
Version 1.02.89.1, Stand: 18. März 2012

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Auch bei diesem Drehgestell kann eigentlich nicht von Gattung so recht die Rede sein, weil es sich nur um eine Bauart handelt. Sie wird hier in einem eigenen Kapitel behandelt, weil sie zahlenmäßig nicht unbedeutend ist.

Im Zuge der Privatisierung der Deutschen Bahn wurden die weitaus meisten Dienstgüterwagen hauptsächlich an private Bauunternehmen veräußert. Auf etwas ominöse Weise sind im Juli 1996 mehr als 3535 Wagen, darunter wohl praktisch alle Dienst-Schotterwagen, an die Firma Maschinenbau Kirow Leipzig Rail & Port AG gelangt. Bekannt ist Kirow in erster Linie als Hersteller von Eisenbahn-Drehkränen. Seit 1994 gehört Kirow zur Koehne Gruppe, einem traditionsreichen Gleisbau-Unternehmen.

Weit mehr als die Hälfte der von Kirow übernommenen Wagen waren jedoch mit Drehgestellen ausgestattet, die kurz nach der Übernahme der Wagen ersetzt werden mussten (Minden Siegen, "887"). In dieser Situation hat man sich bei Kirow wohl dazu entschlossen, ein neues, eigenes Drehgestell zu entwickeln, bei dem wertintensive, altbrauchbare Teile (auch Federn, Schaken und Federbolzen) weiterverwendet werden konnten. Die Drehgestelle wurden bei ELH Eisenbahnlaufwerke Halle GmbH & Co.KG, D-06188 Queis, gefertigt und vom Eisenbahn Bundesamt unter der Kennung "98K04...." als DB Bauart "660" zugelassen.

Wenngleich die Kirow-Drehgestelle durch die Verwendung von altbrauchbaren Teilen ihren Vorgängern technisch entsprechen,
weicht ihre optische Erscheinung doch deutlich vom gewohnten Bild ab: Die Kopfquerträger sind aus U-Profilen so zusammengeschweißt, das sie einen quadratischen Querschnitt haben und so tief angesetzt, dass die Unterkante der Seitenwangen völlig eben ist. Die Seitenwangen selbst weisen kleine, kreisförmige Bremsschaulöcher auf, die beim unbeladenen Wagen oberhalb des Achsmittelpunktes liegen. Auffällig breite Gurtbleche verstärken die Seitenwangen an den Kanten.
Auf den quadratischen Kopfquerträgern sind die äußeren Federböcke aufgesetzt. Auch sie bestehen aus zwei kantig zusammengeschweißten U-Profilen, in die die Buchse für den Federbolzen eingearbeitet ist. Der mittelere Federbock aus Blechzuschnitten erinnert entfernt an Federböcke der ersten geschweißten (Blech und Gurt) Drehgestelle. Insgesamt haben die Kirow-Drehgestelle ihrer gesamten äußeren Erscheinung nach kein Vorbild in Bereich der konventionellen Drehgestelle. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass bei der Entwicklung dieses Drehgestells Grundsätze aus dem Bau von Fahrwerken für Eisenbahndrehkräne eine gewisse Rolle gespielt haben. Inwieweit die kleinen Bremsschaulöcher, die sehr tiefliegenden Kopfquerträger und die wohl nur schwer zugänglichen Bremssohlen den Anforderungen des Betriebsalltags gerecht werden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Das Kirow-Drehgestell ist so konstruiert, dass es ohne Änderungen an den Zuschnitten der Seitenwangenbleche für Federn mit geradem als auch mit eingezogenem ende gebaut werden kann. Bei Drehgestellen für Federn mit geradem Ende werden lediglich breitere Buchsen in die Federböcke eingebaut.
 
 
Skizze 660/Kirow   Drehgestell "Kirow" (DB BA 660)

  Quelle:
   Hermann Jahn, auf Grundlage einer Abbildung in GC 78/79

Quellen:
Perner, Dr. Detlev: InnoTrans2000. 3. Internationale Fachmesse für Verkehrstechnik. 3. ELH Eisenbahnlaufwerke Halle GmbH & Co KG/Queis (in: Güterwagen-Correspondenz 78/79, Dez. 2000, S. 188 - 191)
Eurailpress: DB erwartet hohen Schaden durch Korruption (5. Nov. 2001); http://www.eurailpress.com/news/news_archiv.php3?action=displaynews&id=676
MDR Online Wirtschaft: Vom Riesen im Ostgeschäft zur Nummer Eins auf dem Weltmarkt! (16. Nov. 2000); http://www.mdr.de/online/wirtschaft/index_wirtschaft_unternehmen39649@.html (Leider ist diese Seite nicht mehr aufrufbar - schade!)
 


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