Inhaltsverzeichnis - Minden Dorstfeld/ORE Hauptmerkmale - Entwicklung - Ausführungsvarianten, Bauarten 931, 932, 934 - Sonderbauarten - ORE-Ausführung (mit Schwerpunktaufhängung) - ORE-adäquate Bauarten - SEAG 54 - nächstes Kapitel - Impressum
Einführung -
Normalspur, Gleitachslager:
LHB Iran-Export
Normalspur, Rollenlager: Frankreich:
Y 19 - Schweden: G 56 - Ungarn:
ORE - Italien: C 20, C 20a, ORE, ORE f, ORE 46 f
- Niederlande - Belgien, Luxemburg,
Dänemark - Jugoslawien -
Breitspur:
Spanien
- Finnland
Einführung
Die Frage drängt sich
auf, warum hier zwischen Minden Dorstfeld- und ORE-Drehgestell unterschieden
wird. Dafür gibt es eine didaktischen und eine technische Begründung.
Der didaktische Grund ist,
dass die Bezeichnung "Minden Dorstfeld-Drehgestell" nur in Deutschland
gebräuchlich ist, während international vor allem die Bezeichnung
UIC Standard- oder ORE-Drehgestell geläufig ist. Da es mittlerweile
drei Drehgestell-Bauarten gibt, die den Status eines "UIC Standard-Drehgestells"
hatten (Minden Dorstfeld, Minden Siegen, Y 25), wird hier die dem zeitgenössischen
Sprachgebrauch näher kommende Bezeichnung "ORE-Drehgestell" analog zur Bezeichnung "Minden Dorstfeld" verwendet.
Technisch begründet
sich diese Unterscheidung durch die Aufhängung der Bremsklotzschuhe.
Beim Minden Dorstfeld-Drehgestell sind die Bremsklotzschuhe nicht im Schwerpunkt
(Güterwagen
Drehgestelle - Sonstiges: Schwerpunktaufhängung)
aufgehängt und verfügen daher über eine Rückstellfeder.
International, beim ORE-Drehgestell, hat man - soweit ich das auf Grund
vorliegender Fotos erkennen kann - bereits Mitte der 1950er Jahre die Aufhängung
der Bremsklötze im Schwerpunkt präferiert.
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ORE-Drehgestell LHB Exportausführung für den Iran mit Peyinghaus "Isothermos" (Gleitachs-)Lagern mit mechanischer Schmierung verwendet bei 63 m³ Kesselwagen, Baujahr 1960 (mittragend, vier Kesselschüsse, mit Schwallblechen, ohne Heizeinrichtung für die Iranische Staatsbahn Quelle: Werkfoto LHB, Slg. Paul Scheller (Ausschnitt) |
Diese
Drehgestelle wurden erst 1960 gebaut. Der Rahmen entspricht daher der
jüngeren Ausführung (kreisrunde Bremsschaulöcher). Nicht
erkennbar ist, ob bei diesen Drehgestellen UIC-Radsätze mit 2000
mm Achschenkelmittenabstand zum Einsatz kamen und ob die
Bremsklotzschuhe - wie eigentlich international üblich - im
Schwerpunkt aufgehängt waren. Deutlich erkennbar ist jedoch, dass
diese Drehgestelle nicht mit Rollenachslager ausgestattet sind, sondern
mit einer Spezialausführung von Gleitachslagern, den Peyinghaus
"Isothermos" Achslagern.
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ORE-Drehgestell,
SNCF Y 19
ohne Bremse Quelle: Sammlung Francis Albert |
Dieses Drehgestell hat dreieckförmige
äußere Bremsschaulöcher und genietete Gleitbacken. Obwohl
das Drehgestell nicht gebremst ist, sind die schräg angeordneten Langträger
und der rohrförmige Queträger zur Aufhängung des Bremsgestänges
vorhanden.
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ORE-Drehgestell,
SNCF Y 19 A
mit Bremse (Schwerpunktaufhängung) SNCF Rs 80.1,
11 87 390 0 225-1; Brake, Juli 1982, Ausschnitt
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Schweden: G 56
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ORE-Drehgestell,
SJ G 56
SJ 506 643 P,
Olsson, 1962?; Hameln, 3. Sept. 2008
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Äußerlich entsprechen
dieses schwedische ORE-Drehgestell G 56 weitgehend, bis auf die Ausführung
des mittleren Federbocks, den hier gezeigten französischen Y 13. Die
Anordnung der Träger für die Bremsaufhängung entspricht
beim ungebremsten Y 19 in etwa der Zeichnung Fwg 1092.04.80, beim schwedischen
G 56 in etwa der Fwg 931.04.000.02.
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ORE-Drehgestell,
SJ G 56 M
mit Wiegeventil GC Sgs 82 74
454 0 023-3
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ORE-Drehgestell,
SJ G 56 S mit Drehkranz
und integrierter Bremse (siehe auch: Minden Dorstfeld - Sonderbauarten) Hersteller: Olsson, Baujahr ? SJ
Qbi (?) 84 74 985 0 012-7, ex 21 74 929 0 004-8,
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Ungarn: ORE
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ORE-Drehgestell,
Ungarn ORE
Hersteller: RABA ("in den 1960er Jahren) Zakks 33 55
790 1214-7, H-Celldömölk, 21. April 2006
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Auch die ungarischen ORE-Drehgestelle
entsprechen äußerlich den französischen Y 13 und den schwedischen
G 56: dreieckige äußere Bremsschaulöcher, Schwerpunktaufhängung,
genietete Gleitbacken, Federböcke in geschweißter oder Pressblech-Ausführung.
Die Gestaltung der Träger für die Bremsaufhängung weist
aber wiederum Unterschiede auf.
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| ORE-Drehgestell, Ungarn
ORE
H-Celldömölk, 23. Dezember 2005, Fotos: Tamás Piri |
Die Anschläge für
die Aufhängung des Bremsgestänges sind an einem Rohrquerträger
angeschweißt. Dieser Rohrquerträger ist jedoch nicht oberhalb
der U-Langträger angesetzt und stumpft aufgeschweißt, während
er beim "klassischen" ORE-/Minden Dorstfeld-Drehgestell zu den Enden hin
flanschartig ausläuft und auf der Oberkante der U-Langträger
aufgeschweißt ist.
Außerdem scheint die
Drehpfanne bei diesem Drehgestell tiefer zu liegen, als bei "konventionellen"
ORE-/Minden Dorstfeld-Drehgestellen.
Italien: C 20, C 20a,
ORE, ORE f, ORE 46 f
Bisher wurden ausschließlich
ORE-Drehgestelle mit dreieckförmigen Bremsschaulöchern und aufgenieteten
Gleitbacken vorgestellt. Man könnte diese Bauform eventuell als die
"ältere" bezeichnen, auch wenn das nicht immer mit dem Baujahr korrespondiert.
Auf Grund der zur Verfügung stehenden Materialbasis lässt sich
am Beispiel Italien aufzeigen, dass es auch bei den ORE-Drehgestellen mit
Schwerpunktaufhängung eine zweite "jüngere" Bauform gibt, die
durch kreisrunde Bremsschaulöcher und geschweißte Gleitbacken
an den Achshalter-Ausschnitten gekennzeichnet ist.
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ORE-Drehgestell,
FS C 20, C 20 a
mit dreieckförmigen äußeren Bremsschaulöchern Skizze:
Hermann Jahn, auf Grundlage einer Skizze aus einem
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Auch wenn aus der Skizze
nicht hervorgeht, wie die Gleitbacken an den Achshalterausschnitten befestigt
sind, ist anzunehmen, dass diese Drehgestelle der älteren ORE-Ausführung
(mit genieteten Gleitbacken) entspricht.
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ORE-Drehgestell,
FS ORE
mit kreisrunden Bremsschaulöchern Skizze:
Hermann Jahn, auf Grundlage einer Skizze aus einem
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Diese Skizze verkörpert
die jüngere Ausführung des ORE-Drehgestells. Es kann mit ziemlicher
Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Gleitbacken bei diesen Drehgestellen
aufgeschweißt sind.
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ORE-Drehgestell,
FS ORE F, ORE 46 F
mit kreisrunden Bremsschaulöchern Skizze:
Hermann Jahn, auf Grundlage einer Skizze aus einem
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| ORE-Drehgestelle | FS C 20 | FS C 20 a | FS ORE | FS ORE F | FS ORE 46 F |
| max. Laufkreis-Durchmesser | 1000 mm | 1000 mm | 1000 mm | 1000 mm | 920 mm |
| Gleitstück-Oberkante über SO | 960 mm | 960 mm | 960 mm | 960 mm | 920 mm |
| Oberkante der oberen
Drehpfanne
über SO (Hauteur centre crapaudine) |
890 mm | 885 mm | 945 mm | 945 mm | 905 mm |
Niederlande
Die Nederlandse Spoorwegen
(NS) beschafften 1957 eine erste Serie von vierachsigen UIC-Flachwagen.
Diese waren mit ORE-Drehgestellen der älteren Bauform ausgestattet.
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ORE-Drehgestell,
NS
mit dreieckförmigen äußeren Bremsschaulöchern und Schwerpunktaufhängung NS 89301 S-HTS (=
UIC SS)
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ORE-Drehgestell,
NS
mit dreieckförmigen äußeren Bremsschaulöchern und Schwerpunktaufhängung Werkspoor N.V., 1957
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| ORE-Drehgestell,
NS (ältere Bauform)
mit wageninnenseitig 2 Rohrquerträgern Grundlage: Zeichnung
NS W 100.400
|
Minden Dorstfeld-Drehgestell
mit wageninnenseitig einem Rohrquerträger nach Zeichnung Fwg 1092.04.80 Quelle: DV 939 F, Jan. 1967 (bearbeitet) |
Die spontan ins Auge fallenden Unterschiede zwischen den beiden vorstehenden Skizzen hängen mit den verwendeten Quellen zusammen, die tatsächlich relevanten Unterscheidungen sind durch die Unterlegung mit Grautönen hervorgehoben. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Rohrquerträger beim niederländischen ORE-Drehgestell nicht auf (wie beim Minden Dorstfeld) sondern an den schrägen Hilfslangträgern angeschlagen sind. Beachtenswert sind ferner die Aufnahmen für die Bremsfangeisen an den Hilfslangträger.
Vermutlich ist diese Ausführung nur in geringer Stückzahl gebaut worden. Selbst auf Fotos von Wagen der ersten Serie finden sich ORE-Drehgestelle der jüngeren Bauform, die allerdings durch Tausch zu diesen Wagen gelangt sein könnten. Die letzte Serie der NS UIC-Rs wurde 1962 in Uerdingen gebaut. Es liegt daher nahe, anzunehmen, dass die Drehgestelle dieser Wagen (abgesehen von der Aufhängung der Bremsklotzschuhe) deutschen Minden Dorstfeld-Drehgestellen entsprochen haben.
Ebenso wie die NS selbst
haben auch Privatwagen-Einsteller regelmäßig Wagen und gegebenenfalls
auch deren Drehgestelle bei ausländischen Herstellern bauen lassen.
Es muss davon ausgegangen werden, dass sich diese Hersteller dabei zum
einen an die Vorgaben der Kunden gehalten haben (wie etwa die Forderung
nach Schwerpunktaufhängung), zum anderen aber auch eine kostengünstige
Fertigung angestrebt haben. Die Unternehmen dürften daher danach getrachtet
haben, so weit wie möglich auf vorhandene Produktionsverfahren zurückgreifen
zu können, als auch eventuell anfällige Lizenzgebühren zu
vermeiden.
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ORE-Drehgestell,
jüngere Ausführung, NS
VTG
Benelux Zagkks 820 33 84 791 2 838-5
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Belgien, Luxemburg, Dänemark
Auch die Staatsbahnen dieser
drei Länder haben den standardisierten UIC Drehgestell-Flachwagen
beschafft. Leider liegen mir zu den Drehgestellen dieser Wagen bislang
keine weiteren Informationen vor, es würde mich aber wundern, wenn
diese Wagen nicht mit ORE-Drehgestellen (= mit Schwerpunktaufhängung)
ausgestattet waren.
Analog zu den Gegebenheiten
in den Niederlanden könnte es auch bei den SNCB, bei der CFL und den
DSB ORE-Drehgestelle sowohl in der älteren wie auch in der jüngeren
Ausführung gegeben haben. Diese Drehgestelle sind Gegenstand weiterer
Recherchen.
Jugoslawien
Mehrere Waggonfabriken im
ehemaligen Jugoslawien haben für ausländische Bahnverwaltungen
spätestens ab den 1960er Jahren Wagen mit Drehgestellen nach UIC-Standard
gebaut, ein Beispiel dafür wurde bereits in unter der Rubrik "Niederlande"
gezeigt. Aber auch diesbezüglich sind weitere Recherchen angezeigt.
Breitspur
- Spanien
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ORE-Drehgestell,
RENFE
für die spanische Breitspur RENFE Tapps
81 71 565 7 165-1;
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Nicht bekannt ist mir bislang,
ob es solche Drehgestelle bei der Transfesa mit Spurwechsel-Einrichtung
gegeben hat.
- Finnland
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ORE-Drehgestell,
VR Typ K 14 arc (K 14 a)
für finnische Breitspur, Drehpfannenverriegelung (andere Seitenwange) VR Pasilan konepaja
(= VR Ausbesserungswerk Pasila),
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ORE-Drehgestell,
VR Typ K 14 arc (K14 kja)
für finnische Breitspur, Drehpfannenverriegelung, mit Gelenkarmen zur Ansteuerung eines Wiegeventils VR Pasilan konepaja
(= VR Ausbesserungswerk Pasila),
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Das finnische K 14 wurde
ab 1961 in Anlehnung an das ORE- bzw. Minden Dorstfeld gebaut und ist laut
Olli Savela auch heute noch die in Finnland am häufigsten vorkommende
Güterwagen-Drehgestellbauart. Besonders markant ist sind die Verstärkungsgurte
in den inneren Bremsschaulöchern.
(Anschriften an beiden Drehgestellen:
K 14 arc, Angaben auf Herstellerschild: K 14 a - für Drehgestell mit
Drehpfannenverriegelung, aber ohne Wiegeventil, K 14 kja - für Drehgestell
mit Drehpfannenverriegelung und Wiegeventil)