Güterwagen-Drehgestelle: Minden Dorstfeld - Sonderbauarten

Version B2.01.87.1, Stand: 10. Oktober 2010

Inhaltsverzeichnis - Minden Dorstfeld/ORE Hauptmerkmale - Entwicklung - Ausführungsvarianten, Bauarten 931, 932, 934 -
Sonderbauarten - ORE-Ausführung (mit Schwerpunktaufhängung) - ORE-adäquate Bauarten - SEAG 54 - nächstes Kapitel - Impressum

1. Kopfquerträger - 2. mit Wiegeventil - 3. mit integrierter Bremsanlage - 4. mit Drehkranz -  5. mit 1956 mm Achsschenkelmittenabstand

1. Kopfquerträger
Grundsätzlich haben Minden Dorstfeld-Drehgestelle Kopfquerträger aus gewalzten U-Profilen. Zumindest die Waggonfabrik Uerdingen hat in den Fünfzigerjahren auch Kopfquerträger aus Pressblech und H-Profile verwendet.
 
Minden Dorstfeld, Kopfquerträger aus Pressblech   Minden Dorstfeld-Drehgestell, frühe Bauform
  beachte: Kopfquerträger aus Pressblech
  (ausgerundete Kanten)
  Uerdingen, 1955
 

   EVA Zagkks (Druckgas-Kesselwagen) 33 80 792 3 308-0;
   Rastatt, 17. Juli 2003


 
Minden Dorstfeld, Kopfquerträger aus H-Profil   Minden Dorstfeld-Drehgestell mit H-Profil als 
  Kopfquerträger
  Uerdingen, 1958

  Wasosa, ex EVA Zaces 33 80 797 7 500-7,
  Uerdingen 1959, Hameln, 23. April 2001

2. mit Wiegeventil

2.1 Verkehrsbetriebe Peine Salzgitter, Werksbahnwagen
Minden Dorstfeld-Drehgestell, mitWiegeventil; Foto: Hermann Jahn   Minden Dorstfeld-Drehgestell
  mit Wiegeventil

  VPS 4366
  Foto: Hermannn Jahn, Salzgitter-Immendorf, 31. Dez. 2007


2.2 Schweden, SJ G 56 M
ORE-Drehgestell SJ G 56 M, mit Wiegeventil; Foto: Ulf L Eriksson   ORE-Drehgestell, SJ G 56 M
  mit Wiegeventil

   GC Sgs 82 74 454 0 023-3
   Foto: Ulf L Eriksson, 12. Juli 2008

Vermutlich wurden diese Drehgestelle als normale SJ G 56 (also ohne Wiegeventil) gebaut. Um diese Drehgestelle mit automatischer Lastabwiegung ausrüsten zu können, musste außer dem Wiegeventil und dem Gestänge der mittlere Federbock umgebaut werden.

3. mit integrierter Bremsanlage

3.1 Krupp 1964
Minden Dorstfeld mit integrierter Bremsanlage für DB Uaikk 727; Foto: Rudolf Ossig   Minden Dorstfeld-Drehgestell
  für DB Uaikk 727
  mit integrierter Bremsanlage
  nach Zeichnung 0 Fwg 727.04.001.001

  DB Uaikk 727, 31 80 991 7 219-0
  Foto: Rudolf Ossig, Bochum-Dahlhausen, Mai 1992

Die zehn Tiefladewagen der Bauart Uaikk 727 wurden 1964 bei Krupp gebaut. Für den Einsatz unter Tiefladewagen musste das Minden Dorstfeld mit einer integrierten Bremsanlage ausgerüstet werden. Bremszylinder und Gestänge befinden sich am pufferseitigen Drehgstellende.

3.2 FS Carello ORE F/ORE F 46
ORE-Drehgestell, FS ORE F/F 46, Seitenansicht; Skizze: Jahn ORE-Drehgestell, FS ORE F/F 46, Stirnansicht; Skizze: Jahn
ORE-Drehgestell, FS ORE F/F 46, Draufsicht; Skizze: Jahn   ORE-Drehgestell
  mit integrierter Bremsanlage
  = FS Carello ORE F/ORE F 46

   Skizze: Hermann Jahn, auf Grundlage 
   einer Skizze aus einem Wagen-Album 
   der FS, gefunden im Internet auf der 
   Homepage von Giorgio Donzello
 

Die Standardausführung des Minden Dorstfeld-Drehgestells wird in Italien als "Carello ORE" bezeichnet, die Ergänzung "F" steht für die integrierte Bremsanlage. Eine so aufwändige Konstruktion kam nur zur Anwendung, wenn ein Wagen nicht mit durchgehendem Bremsgestänge ausgerüstet werden konnten. Neben Tiefladewagen ist dies vor allem bei Wagen, die tiefe, innenliegende Entleerungseinrichtungen haben (z. B. Staubgutwagen, Uac). Die Skizze dokumentiert darüberhinaus, dass es neben der Ausführung ORE F auch eine Ausführung ORE F 46 gegeben hat, deren Radsätze einen Laufkreisdurchmesser von nur 920 mm (statt 1000 mm) hatten. Der geringere Laufkreisdurchmesser könnte auf einen Einsatz dieser Drehgestelle unter Tiefladewagen hindeuten.

4. mit Drehkranz und integrierter Bremse
ORE-Drehgestell SJ G 56 S; Foto: Ulf L Eriksson   ORE-Drehgestell, SJ G 56 S
  mit Drehkranz und integrierter Bremse

   SJ Qbi (?) 84 74 985 0 012-7, ex 21 74 929 0 004-8
   Foto: Ulf L Eriksson, 14. April 2005


 
ORE-Drehgestell SJ G 56 S, ausgebaut; Foto: Ulf L Eriksson   ORE-Drehgestell, SJ G 56 S
  mit Drehkranz und integrierter Bremse

   Foto: Ulf L Eriksson, 20. Mai 2005


 
ORE-Drehgestell SJ G 56 S, seitliche Abstützung mit Rollen; Foto: Ulf L Eriksson   ORE-Drehgestell, SJ G 56 S
  mit Drehkranz und integrierter Bremse,
  Rollen als seitliche 
  Wagenuntergestell-Abstützung

   Foto: Ulf L Eriksson, 20. Mai 2005

 


 
ORE-Drehgestell SJ G 56 S, obere Drehpfanne; Foto: Ulf L Eriksson   ORE-Drehgestell, SJ G 56 S
  mit Drehkranz und integrierter Bremse,
  obere Drehpfanne mit 
  Drehzapfen/Drehpfannenbolzen

   Foto: Ulf L Eriksson, 20. Mai 2005
 

Die Drehgestelle der Bauart SJ G 56 S (S = sidostödskrans) werden unter Dienst-Tiefladewagen der Gattung Qbi eingesetzt. Offensichtlich müssen diese Drehgestelle unter dem Wagen durchdrehbar sein. Der Drehkranz, der diese Durchdrehbarkeit ermöglicht befindet sich im Drehgestell, das Wagenuntergestell stützt sich seitlich mit Rollen auf dem Drehkranz ab. Bei herkömmlichen durchdrehbaren Drehgestellen befindet sich der Drehkranz am Wagenuntergestell, an den Drehgestellen befinden sich bogenförmige Gleitstücke.
Warum in Schweden diese besondere Konstruktion gewählt wurde, ist bislang nicht bekannt. 

5. mit 1956 mm Achsschenkelmittenabstand
Als UIC Standard Drehgestell liegt dem Minden Dorstfeld-Drehgestell grundsätzlich ein Achsschenkelmittenabstand von 2000 mm zu Grunde. Somit können in diesen Rahmen keine Radsätze mit dem früher in Deutschland üblichen Achsschenkelmittenabstand von 1956 mm eingebaut werden.

Im Bestand der VTG befanden sich Anfang der Fünfzigerjahre unter anderem auch noch mindestens 10 Wagen der 1941 gebauten Vorserie der vierachsigen Uerdinger Leichtbaukesselwagen. Diese Wagen waren mit einem sogenannten "Steifrahmen-Drehgestell" ausgerüstet, bei dem die Federn - ähnlich wie bei Lenkachs-Wagen - mit Rollenschaken am Wagen-Untergestell aufgehängt waren.

Im Jahr 1955 wurden diese Wagen bei Linke-Hofmann-Busch in Salzgitter umgebaut und mit neuen Drehgestellen nach Zeichnung 52019.04.00 ausgerüstet. Diese Zeichnung zeigt einen Drehgestell-Rahmen, dessen Seitenwangen denen des Minden Dorstfeld-Drehgestells nach Zeichnung Fwg 1092.04.80 (zwei dreieckige Bremsschaulöcher) entsprechen. Äußerlich dürfte dieses Drehgestell kaum von einem konventionellen Minden Dorstfeld-Drehgestell unterscheidbar gewesen sein.

Gemäß dieser Zeichnung war das Drehgestell mit achtlagigen Federn (mit geraden Federenden, Querschnitt 120 x 16 mm)  ausgerüstet, vermutlich wurden diese Federn ebenso wie die Radsätze mit 940 mm Laufkreisdurchmesser von den alten Drehgestellen übernommen.

Merkwürdig ist, dass Linke-Hofmann-Busch nach Angaben von Rolf D. Rose erst ab 1957 Minden Dorstfeld-Drehgestelle in Lizenz für Privat-Güterwagen gebaut hat. Gemeint sind damit die vierachsigen Sattelwagen, die Linke-Hofmann-Busch 1957 für die MONOPOL-Bergwerksgesellschaft Kamen gebaut hat. Die Drehgestelle dieser Wagen "... sind wegen der betrieblichen Forderung mit Gleitachslagern und Radsätzen mit Achsschenkelmittenabstand von 1956 mm ausgerüstet worden." (Symann)

Ferner passt die Zeichnungsnummer "52019" nicht in das LHB-Schema, in dem Drehgestell-Zeichnungen üblicherweise mit "17" und einer weiteren dreistelligen Zahl (z. B. 17010, 17013, 17014, 17031, 17047 = LHB 71) bezeichnet wurden.

(Auf eine Abbildung der Zeichnung wird verzichtet, da die eigentlich zu dokumentierende Angabe des Achsschenkelmittenabstandes in authentischer Widergabe wegen zu kleiner Schrift nicht lesbar wäre.)

Quellen:
Donzello, Giorgio:  I Carrelli FS (Sammlung von Skizzen italienischer Drehgestelle aus Alben der FS, veröffentlicht in den Jahren 1977, 1979 und 1980, in: "Rotaie", Homepage von Giorgio Donzello, http://www.rotaie.it/New%20Pages/CarrelliFSAlbum77-79-80.html)
Driesch, Peter: Die Leichtbaukesselwagen der UERDINGER, DEUTZER und Einheitsbauart, Teil III (in: Güterwagen-Correspondenz 12/13, 1/1990, S. 2 - 9)
Driesch, Peter: Pers. Mitt.
Linke-Hofmann-Busch GmbH: Zeichnung 52019.04.00 Drehgestell. 2. Ausgabe vom 3. 2. 55 (Sammlung Peter Driesch)
Rose, Rolf D.: Pers. Mitt. (Sammlung Harald Westermann)
Symann, Walter: Neuentwicklungen von Privatgüterwagen bie LHB (Glasers Annalen; März 1958, S. 87 bis 92)
 
 


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