Güterwagen-Drehgestelle: Minden Dorstfeld/ORE - ORE-adäquate Bauarten
Version 5.02.94.1, Stand: 13. März 2015

Inhaltsverzeichnis - Minden Dorstfeld/ORE Hauptmerkmale - Entwicklung - Ausführungsvarianten, Bauarten 931, 932, 934 -
Sonderbauarten - ORE-Ausführung (mit Schwerpunktaufhängung) - ORE-adäquate Bauarten - SEAG 54 - nächstes Kapitel - Impressum

SBB, JMR, SIG  -  DR Dok 0967  -  PKP UIC Poznan 28 R (DR Dok 0959, CD/CSD UIC 30), PKP 1 X Ta   -  CSD 131-2 - CFR ORE

In 1950er Jahren hat die UIC im Zusammenhang mit der Standardisierung von Güterwagen das Minden Dorstfeld-Drehgestell als Standard-Drehgestell angenommen. Ähnlich wie bei den Standard-Güterwagen haben einige Mitgliedsverwaltungen nicht dieses Standard-Drehgestell übernommen sondern unter Berücksichtigung der Standard-Merkmale (in diesem Fall vor allem: 2000 mm Achsschenkelmittenabstand, 2,0 m Achsstand, Langschaken) eigene Drehgestelle entwickelt.

1. Schweizerische Bundesbahnen SBB/CFF
Vorbemerkung: Diese Schweizer Drehgestelle werden an dieser Stelle nur kurz erwähnt.
Nähere Informationen zu diesem und anderen Schweizer Güterwagen-Drehgestellen, auch Datenblätter, finden sich im Kapitel "
SBB".

Zu Beginn der 1960er Jahre zeichnete sich auch im Bereich der SBB ein zunehmender Bedarf an vierachsigen Güterwagen ab. Offensichtlich haben sich SBB und die Schweizer Schienenfahrzeug-Industrie (JMR - Josef Meyer AG Rheinfelden, Möhlin; SIG - Schweizerische Industrie-Gesellschaft, Neuhausen am Rheinfall; SWP -Schindler Waggon Pratteln, Pratteln) in diesem Zusammenhang auf eine an die UIC Vorgaben angelehnte, aber doch eine gewisse Eigenständigkeit wahrende Konstruktion verständigt.

JMR 60: Prototyp; 2,0 m Achsstand, Kurzschaken
JMR 60: Standardausführung; 2,0 m Achsstand, Langschaken, 1000 mm Laufkreisdurchmesser, Schwerpunktaufhängung
JMR 60 i: wie JMR 60, mit integriertem Bremszylinder, automatische Lastabwiegung
JMR 64: wie JMR 60, 920 mm Laufkreisdurchmesser, Radsätze der Bauart DB 77 oder DB 97
JMR 66: verstärkte Seitenwangen (2,0 m Achsstand, Langschaken, 920 mm Laufkreisdurchmesser)
JMR 67: wie JMR 66, 1,8 m Achsstand, Kurzschaken
JMR 76: wie JMR 66, 1,8 m Achsstand

SIG 60: ähnlich JMR 60, leicht abgewandelte Seitenwangen
SIG 63: wie SIG 60, 920 mm Laufkreisdurchmesser, Radsätze der Bauart DB 77 oder DB 97

Sonderausführungen:
JMR 61: wie JMR 60 i, 800 mm Laufkreisdurchmesser
SWP 62: wie JMR 64, Achsstand 1,8 m, Kurzschaken
 
 
SBB Langschaken-Drehgestell JMR 60; Skizze JMR   SBB Langschaken-Drehgestell JMR 60 Standard

  Skizze: Josef Meyer, Rheinfelden


 
SBB Langschaken-Drehgestell SIG 64; Skizze JMR   SBB Langschaken-Drehgestell SIG 63 

  Skizze: Josef Meyer, Rheinfelden


 
SBB Langschaken-Drehgestell JMR 66; Foto: Hugo Kagerbauer   SBB Langschaken-Drehgestell JMR 66

   Zaes 33 85 788 8 543-0; Foto: Hugo Kagerbauer


2. Deutsche Reichsbahn DR


Bei den meisten osteuropäischen Bahnverwaltungen bestand nach Ende des Zweiten Weltkrieges dringender Modernisiserungsbedarf, der unter anderem dazu führte, dass frühzeitig auch Drehgestellwagen verschiedener Gattungen beschafft wurden. Die Leistungsfähigkeit des Schienengüterverkehrs konnte zunächst nur durch die Vergrößerung des Laderaumes erreicht werden. Diesen Effekt über eine spürbare Erhöhung der Fahrtgeschwindigkeit der Güterzüge zu erreichen, war damals utopisch. So bestand zunächst auch keine Veranlassung, das von der ORE standardisierte Drehgestell zu übernehmen. 
Dies änderte sich erst Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre  in Verbindung mit der Gründung des "Gemeinsamen Güterwagenparke " (OPW, Mitgliedsstaaten: Bulgarien, ČSSR, DDR, Polen, Rumänien, UdSSR und Ungarn). Doch kam es auch dann nicht zu einer gemeinsamen Verständigung auf das ORE Standard-Drehgestell, sondern zu verschiedenen nationalen Eigenentwicklungen. Teilweise kamen diese Entwicklungen nicht über die Fertigung von Baumustern oder Prototypen hinaus.

Dies gilt auch für die in der DDR entwickelten, an das ORE Standard-Drehgestell angelehnten Entwicklungen mit langen Schaken.

Die ersten Ausführungen wurden 1957 gebaut, erprobt und unter der Dok.Nr. 0967 registriert. In der Folge wurde die Zeichnung mehrfach überarbeitet, die jüngste bekannte Ausgabe ist die dritte Auflage von 1959.

a) Ausführung 1957 
DR Langschaken-Drehgestell; Skizze DR/Deinert    "Eine Verbesserung (der BA Niesyk, Anm. d. Red.) 
  ist das ... Drehgestell mit langen Schaken. Es hat einen Achsstand von
  1800 mm (vgl. Skizze, A. d.
Red.) und wiegt etwa 4,9 t. Es  ist für 
  Geschwindigkeiten bis 120 km/h geeignet."
  Quelle (Skizze und Text):
  Deinert, Werner: Eisenbahnwagen. Berlin, 1985, 5. Auflage, S. 74/75


b) Ausführung 1959 (3. Auflage)

DR Langschaken-Drehgestell, Dok. Nr. 0967; Skizze: Hermann Jahn   DR Langschaken-Drehgestell
  "mit drehschwingungsfreiem Laufwerk", Dok.Nr. 0967

   Skizze: H. Jahn, auf Grundlage der 
   Zeichnung 58.064-04.001, VEB Waggonbau Niesky, 1959
   (Sammlung Harald Westermann)

Eine ausführlichere Darstellung und ein Datenblatt findet sich im Kapitel "Niesky", Sonderausführung Dok.Nr. 0967.


3. Polnische Staatsbahnen PKP

 3.1 PKP, Bauart  1 XT/UIC Poznan 28R

Polnisches Langschaken-Drehgestell, Bauart 28R, Skizze: Hermann Jahn   Polnisches Langschaken-Drehgestell
  Bauart UIC Poznan 28R, bei DR: Dok.Nr. 0959
  Federböcke aus Blechzuschnitten geschweißt

  Skizze: H. Jahn, auf Grundlage der Zeichnung 28R 0701-1, 
   Zentrales Konstruktionsbüro für Eisenbahnfahrzeuge Poznan 
   (Sammlung Harald Westermann)

Das Drehgestell UIC Poznan 28R wurde in mehreren Varianten (A bis J) gebaut, die sich vor allem hinsichtlich der Ausführung der Drehpfanne unterscheiden. Die Varianten 28R/C und 28R/G waren für Achsen mit (28R/G: einseitigen!?) Gleitachslagern entwickelt worden.
 
Poln. Langschaken-Drehgestell, Bauart UIC Poznan 28R, umgebaut; Foto: Thomas Linberg   Polnisches Langschaken-Drehgestell
  Bauart 1 XT/UIC Poznan 28R (zur Nachnutzung umgebaut)

  Cottbus, September 2006; Foto: Thomas Linberg


 
Poln. Langschaken-Drehgestell, Bauart UIC Poznan 28R, umgebaut; Foto: Thomas Linberg   Polnisches Langschaken-Drehgestell
  Bauart 1 XT/UIC Poznan 28R (zur Nachnutzung umgebaut)

  Cottbus, September 2006;  Foto: Thomas Linberg

Die polnischen Drehgestelle der Bauart Pozan 28R liefen bei der DR unter der Dok-Nummer 0959 unter Sattelwagen "OOtmu 0755".
Fotos dieser Wagen finden sich in: Carstens, Stefan: Güterwagen Band 4: Offene Wagen in Sonderbauart. Nürnberg 2003, S. 165.

Daten
  Langschaken-Drehgestell, polnisch   BA UIC Poznan 28R
  Zeichnungsnummer   28R 0701-1
  Achsstand   2000 mm
  maximaler Laufkreis-Durchmesser   1000 mm
  Querspiel der Achsen  
  Längsspiel der Achsen  
  Achsschenkelmittenabstand   2000 mm
  Blatt-Tragfedern  
    Gestreckte Länge   
    Anzahl der Federblätter    8 Stück
    Federblattquerschnitt  
  Durchschnittsgewicht (incl. Radsätze, Bremse)   5250 kg
  erstes Baujahr  

Ein weitgehend baugleiches Drehgestell wird auch bei tschechischen Kesselwagen jugoslawischer Herkunft verwendet ("UIC 30").
 
Langschaken-Drehgestell, tschech. Bauart UIC 30; Foto: Thomas Mötteli   Langschaken-Drehgestell
  Tschechische Bauart UIC 30

   Ryko/CD Zas 33 54 785 4 058-6, Buchs, 29. Juli 1999;  Foto: Thomas Mötteli


 
Langschaken-Drehgestell, tschech. Bauart UIC 30; Foto: Christian Ochsner   Langschaken-Drehgestell
  Tschechische Bauart UIC 30

   33 54 CZ-RYKO 785 4 038-8 Zas 3085, Hersteller: GOSA;
   Bischofszell Nord (CH), 6. August 2008; Foto: Christian Ochsner

Ein weiteres Foto eines solchen Drehgestelles findet sich auf folgender Seite:
http://www.parostroj.net/katalog/nv/clanky/Podvozky/podvozky.php3.
 

3.2 PKP, Bauart 1 XTa
Polnisches Langschaken-Drehgestell, Bauart 1 X ta, Foto: Hermann Jahn   PKP Langschaken-Drehgestell 
  Bauart 1 XTa
  Seitenwangen und innere Federböcke aus Pressblechteilen.

   PKP Rs 81 51 390 3 143-0, Hameln, 24. Juni 1999, ID 127A23A


 
Polnisches Langschaken-Drehgestell, Bauart 1 X Ta, Foto: Hermann Jahn   PKP Langschaken-Drehgestell 
  Bauart 1 XTam, Details äußerer Federbock

   Schwellentransportwagen
   Schweerbau Leipzig 60 80 924 832-9 (= 593 841 PKP Xua)
   Foto: Minden, 5. April 2009, Hermann Jahn


 
  PKP Langschaken-Drehgestell Bauart 1 XTam 

  DEC/KVG 34 51 770 9 012-2 Zagkks; Foto: Hameln, 9. Juni 2009, Hermann Jahn

 
 
  PKP Langschaken-Drehgestell Bauart 1 X Tam
  Detail: verschiebbare Bremsklotzschuh-Aufhängung

  38 RIV 80 D-GATXP 7817 010-6 Zags
  (ex 34 51 770 9 010-9, Typ 406 RP, ZNTK Ostróda, 1975)
  Drehgestelle: Pafawag, 1975; 
 
Foto: Hameln, 13. September 2010, Hermann Jahn

 

Am Wagenuntergestell sind massive Konsolen zum Anheben des Wagens vorhanden. Elemente, die einen raschen Tausch des gesamten Drehgestells ermöglichen (Drehpfannen-Verriegelung, trennbares Bremsgestänge - Übergang auf finnische/russische Breitspur) sind nicht zu erkennen. Vorhanden sind lediglich Vorrichtungen zur Spuranpassung der Bremsklotzschuh-Aufhängung und der Bremsklotzschuhe. Ein Spurwechsel ist daher mit relativ hohem Aufwand verbunden.

Daten
  Langschaken-Drehgestell, polnisch   BA PKP 1 XTa
  Zeichnungsnummer  
  Achsstand   2000 mm
  maximaler Laufkreis-Durchmesser   920 mm
  Querspiel der Achsen  
  Längsspiel der Achsen  
  Achsschenkelmittenabstand   2000 mm
  Blatt-Tragfedern  
    Gestreckte Länge   1200 mm
    Anzahl der Federblätter    8
    Federblattquerschnitt  120 x 16 mm
  Durchschnittsgewicht (incl. Radsätze, Bremse)  4840 kg
  erstes Baujahr  

Weitere Informationen zu polnischen Drehgestellen:
allgemein:
http://www.gzk.cba.pl/rysunki_tech/
zu 1XTa: http://www.interlok.info/Plattformwagen400.htm

4. Tschechoslowakische/Tschechische Staatseisenbahnen CSD/CD
In der Tschechoslowakei wurden mindestens zwei Bauarten von ORE-adäquaten Drehgestelle entwickelt: "Typ 131-2" (1962, vermutlich 2000 mm Achsstand) und "Typ 134-2" (vermutlich 1969, 1800 mm Achsstand). Fotos dieser Drehgestelle finden sich auf der oben bereits genannten Seite: http://www.parostroj.net/katalog/nv/clanky/Podvozky/podvozky.php3.
Die deutsche Übersetzung des Textes dieser Seite findet sich hier: Güterwagen-Drehgestelle: CSD/CD

5. Rumänische Eisenbahnen, CFR
Rumän. Langschaken-Drehgestell, Bauart ORE; Skizze, Slg. Gottfried Wild   CFR Langschaken-Drehgestell
  Bauart ORE

  Quelle: Sammlung Gottfried Wild


Rumän. Langschaken-Drehgestell, Bauart ORE; Foto: Marc Schmitz   CFR Langschaken-Drehgestell
  Bauart ORE

  DEC/PKP Zaes 33 51 788 6 254-6
  Foto: Marc Schmitz, PL-Ketrzyn, 27. Juni 1991


Das rumänische ORE-Drehgestell unterscheidet sich durch die Formgebung der Seitenwangen zwar augenfällig vom Standard ORE-Drehgestell, dennoch steht dieses Drehgestell dem ORE Standard näher als die anderen hier vorgestellten Ausführungen.
 
 



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