Inhaltsverzeichnis
- Minden Dorstfeld/ORE Hauptmerkmale - Entwicklung
- Ausführungsvarianten, Bauarten
931, 932, 934 - Sonderbauarten
-
ORE-Ausführung (mit Schwerpunktaufhängung)
- ORE-adäquate Bauarten - SEAG
54 - nächstes Kapitel - Impressum
1. Bauart 931:
1.1
Bremsschaulöcher:
Bauform mit dreieck-
und kreisförmigen Schaulöchern - mit kreisförmigen
Schaulöchern -
mit kreisförmigen und ovalen
Schaulöchern - 1.2
Äußere Federböcke:
geschweißt
- Pressblech - 1.3 Gleitbacken:
genietet - geschweißt - 1.4 Bremsgestänge-Aufhängung
- 1.5 Drehpfanne
2. Bauart
932 - 3. Bauart 934 - Daten
Ausführungsvarianten
Bei der Deutschen Bundesbahn
wurden die von ihr beschafften Minden Dorstfeld-Drehgestelle unter der
Bauart(-nummer) 931 geführt. Unter dieser Nummer wurden auch die Drehgestelle
der ersten Entwicklungsstufe mit geteiltem inneren Federbock geführt,
die auf der vorhergehenden Seite dargestellt wurden. Auf dieser Seite steht
die Bauart-(nummer) 931 grundsätzlich für "vollentwickelte" Minden
Dorstfeld-Drehgestelle, also auch für entsprechende Drehgestelle von
Privatwageneinstellern. Im Lauf der gut zehnjährigen Bauzeit kam es
zu einer Reihe von Ausführungsvarianten, die teils mehr, teils weniger
augenfällig sind. Zum Teil finden sich diese Ausführungsvarianten
auch bei "ausländischen" ORE-Drehgestellen.
1.1 Bremsschaulöcher
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Frühe Bauform
des Minden Dorstfeld-Drehgestelles
(Mitte der Fünfzigerjahre, Bauform 1): dreieckförmige Bremsschaulöcher im äußeren Bereich der Rahmen-Seitenwangen beachte: mittlerer Federbock - Pressblech Vekehrsbetriebe
PeineSalzgitter, Kübelwagen 3118,
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Bauform 2: Minden Dorstfeld-Drehgestell in der Bauform der späten fünfziger und frühen Sechzigerjahre: je zwei kreisrunde Bremsschaulöcher an jeder Achse beachte: mittlerer Federbock - Pressblech VTG Zagkks,
33 80 791 7 051-4;
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Bauform 3:
Jüngste Bauform des Minden Dorstfeld- Drehgestelles (Mitte der Sechzigerjahre): kreisförmige Bremsschaulöcher außen, ovale Bremsschaulöcher innen beachte: mittlerer
Federbock - geschweißt,
VTG Zas, 33
80 786 0 243-3;
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Mit großer Wahrscheinlichkeit
hängt die Entstehung dieser drei Bauformen mit der Aufhängung
der Bremsklotzschuhe (Güterwagen
Drehgestelle - Sonstiges: Schwerpunktaufhängung)
zusammen. Beim Minden Dorstfeld-Drehgestell sind die Bremsklotzschuhe -
im Gegensatz zum ORE - Drehgestell nicht im Schwerpunkt aufgehängt
und verfügen daher über eine Rückstellfeder, deren Zustand
augenscheinlich kontrollierbar sein muss. Dies ist bei der Bauform 1 durch
die dreieckförmigen äußeren Bremsschaulöcher, bei
Bauform 3 durch die ovalen inneren Bremsschaulöcher der Fall, nicht
aber bei Bauform 2. Diese Bauform ist für Bremsklotzschuhe, die im
Schwerpunkt aufgehängt sind ausgelegt - so wie dies bei den ORE-Drehgestellen
der Fall ist. Denkbar ist, dass es sich bei dieser Bauform um eine Weiterentwicklung
des ORE-Drehgestells handelt, die von der Deutschen Bundesbahn mitvollzogen
wurde, quasi "versehentlich", ohne die sich daraus für die Sichtkontrolle
der Rückstellfeder ergebende Schwierigkeit zu erkennen. Die Bauform
3 wäre dann als Reaktion auf dieses Problem zu verstehen.
Bei den später entwickelten
Drehgestellen der Bauarten 887 und Talbot, bei denen die Bremsklotzschuhe
nicht oder zumindest zunächst nicht im Schwerpunkt aufgehängt
waren und die ebenfalls nur zwei kreisrunde Bremsschaulöcher aufweisen,
liegt das innere so tief, dass die geforderte Sichtkontrolle der Rückstellfeder
wie bei den ovalen Bremsschaulöchern der Bauform 3 des Minden Dorstfeld-Drehgestelles
möglich ist.
1.2 Äußere
Federböcke
Während der mittlere
Federbock ein recht markantes Bauteil des Minden Dorstfeld-Drehgestelles
ist, fallen Änderungen bei der Gestaltung der äußeren Federböcke
nur auf, wenn ein genaueres Hinsehen möglich ist. Es ist davon auszugehen,
dass die äußeren Federböcke zunächst in Schweißbauweise
(aus Blechzuschnitten) entstanden sind und dass diese Bauform während
der Entwicklungsphase nicht verändert wurde.
Die "geschweißte" also
aus zwei kleinen zugeschnitten Blechen und der Buchse für den Schakenbolzen
bestehende Ausführung ist heute jedoch relativ selten, ich habe sie
bislang nur in Verbindung mit der frühen Ausführung der Seitenwange
beobachtet.
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Minden Dorstfeld-Drehgestell,
äußerer Federbock aus Blechzuschnitten (innerer Federbock: Pressblechbauteil) Uerdingen, 1955 beachte ferner: dreieckförmiges
EVA Zagkks 33
80 791 5 771-9;
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Minden Dorstfeld-Drehgestell,
äußerer Federbock als Pressblech-Bauteil VTG 33 80 796
7 590-0;
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1.3 Gleitbacken an den
Achshalterausschnitten
Nur bei genauerem Hinsehen
fällt auf, dass die Gleitbacken an den Achshalterausschnitten bei
Minden Dorstfeld-Drehgestellen der frühen Bauform (mit den dreieckförmigen
Bremsschaulöchern) aufgenietet sind. Bei den beiden späteren
Bauformen sind die Gleitbacken aufgeschweißt. In der Praxis ist dieser
Unterschied nicht eindeutig erkennbar, da häufig Ablagerungen der
Gleitbackenschmierung die Nietenköpfe nur noch erahnen lassen.
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| (Minden Dorstfeld-)
ORE-Drehgestell
mit genieteten Gleitbacken SJ 506 643 P,
Olsson, 1962 ?; Hameln, 3. Sept. 2008
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(Minden Dorstfeld-)
ORE-Drehgestell
mit geschweißten Gleitbacken Drehgestell
gehört zu
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1.4 Bremsgestänge-Aufhängung
Die Bremsgestänge-Aufhängung
ist im Betrieb praktisch kaum zu sehen, daher fallen Veränderungen
eigentlich nur auf, wenn man ausgebaute Drehgestelle oder gelagerte Drehgestellrahmen
zu Gesicht bekommt.
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| Minden Dorstfeld-Drehgestell
nach Zeichnung Fwg 1092.04.80 Bremsgestänge
wagenaußen und -innenseitig an
Quelle: DV 939 F, Jan. 1967 (bearbeitet) |
Minden Dorstfeld-Drehgestell
nach Zeichnung Fwg 931.04.000.02 Bremsgestänge
wageninnenseitig an
Quelle: DV 939 F, Jan. 1967 (bearbeitet) |
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| Minden Dorstfeld-Drehgestell
nach Zeichnung Fwg 1092.04.80
Bremsgestänge und -aufhängung (rechts: wageninnenseitig, zu den Puffern hin, links: wagenaußenseitig, zur Wagenmitte und zum Bremszylinder hin), Drehpfanne mit Kunststoffeinlage. Die Kunststoffeinlage wurde nachträglich eingefügt, Drehgestelle mit Kunststoffeinlage in der Drehpfanne sind an den fehlenden (bzw. abgebauten) seitlichen Ölbehältern erkennbar. Drehgestell gehört zu Tyzcka Zagkks 33 80 791 8 390-5; Bebra Rbf, 24. November 2002, Fotos: Rudolf Ossig |
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(Minden Dorstfeld-)
ORE-Drehgestell
(Seitenwangen gemäß Fwg 1092.04.80, Hilfslangträger gemäß Fwg 931.04.000.02) Bremsgestänge
wageninnenseitig an
SJ 506 643 P,
Olsson, 1962?; Hameln, 3. Sept. 2008
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1.5 Drehpfanne
Es ist davon auszugehen,
dass es auch für die Drehpfannen mindestens zwei Zeichnungen gegeben
hat und dass bei entsprechenden Gegebenheiten Unterscheide in der Ausführung
der Drehpfannen augenscheinlich erkennbar sind.
Äußerlich ist
jedoch eine Veränderung leichter erkennbar, die nicht an mit den Zeichnungen
der Drehpfannen in Verbindung gebracht werden kann.
Ursprünglich musste
bei allen Minden Dorstfeld-Drehgestellen die Drehpfanne geschmiert werden.
Dazu befanden sich an beiden Seiten des Wagenuntergestells Ölbehältern
von denen aus das Schmieröl mit dünnen Rohren in die Drehpfanne
geleitet wurde. In den 1970er Jahren wurden Kunststoffeinlagen entwickelt,
die das Schmieren der Drehpfannen überflüssig machten und die
ab den 1980er Jahren verstärkt auch bei Altbau-Drehgestellen zum Einsatz
kamen. Nachträglich mit derartigen Kunststoffeinlagen versehene Drehgestelle
sind an den abgebauten seitlichen Ölbehältern erkennbar.
2. Bauart 932
In der zweiten Hälfte
der 1960er Jahre wurden Vorbereitungen für die Einführung der
Automatischen Kupplung/Mittelpuffer-Kupplung getroffen, die in den 1970er
die Schraubenkupplung ablösen sollte. In diesem Zusammenhang wurden
einerseits neue Wagen und neue Drehgestelle (Bauart 887, Minden Siegen,
Y 25) entwickelt. Andererseits mussten für vorhandene Wagen, die nach
bis dahin geltenden Konstruktionsprinzipien gebaut wurden und noch längst
nicht abgeschrieben waren, Umbaulösungen gefunden werden. Besonders
dringlich war dies bei Drehgestellwagen mit kurzem Überhang um die
Kupplungspatrone einbauen zu können (sogenannter "Hüllraum").
In besonderer Weise betraf dies die ab den 1950er Jahren in großen
Stückzahlen beschafften Sattelwagen (Fal- und Tal-Wagen). Um diese
Wagen weiter verwenden zu können, wurde ein Umbaukonzept für
die Drehgestelle der BA 931 entwickelt und mit dem Umbau dieser Drehgestelle
begonnen.
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| Minden Dorstfeld-Drehgestell
nach Zeichnung Fwg 931.04.000.02 Bremsgestänge
wagenaußen an
Quelle: DV 939 F, Jan. 1967 (bearbeitet) |
Minden Dorstfeld-Drehgestell,
BA 932
nach Zeichnung 0Fwg 167.0.04.000.932 Bremsgestänge
wagenaußenseitig an
Quelle: Deutsche Bundesbahn,
BZA Minden (Westf) Dez 43,
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Die umgebauten Drehgestelle
der BA 932 müssen und werden (so weit gegenwärtig überhaupt
noch vorhanden) für AK-vorbereitete Wagen verwendet. Das Umbauprogramm
für diese Drehgestelle wurde aber zu Beginn der 1970er Jahre, als
feststand, dass es bis auf weiteres nicht zur Einführung der Automatischen
Kupplung kommt gestoppt. "Auf dem Papier" galt allerdings noch bis in die
1990er Jahre die Vorschrift, dass nicht umgebaute Drehgestelle der BA 931
nicht unter "AK-angepassten" Wagen laufen dürfen. In der Praxis wurden
jedoch Wagen mit längerem Überhang (zum Beispiel private Kesselwagen,
aber auch DB Rs 680) für die Aufnahme der Automatischen Kupplung vorbereitet
ohne dass in diesem Zusammenhang die Drehgestelle umgebaut wurden.
3. Bauart 934
Im Jahr 1954 beschafften
die Eisenbahnen des Saarlandes 250 vierachsige UIC Standard-Flachwagen,
die 1957 zur DB gelangten. Diese Wagen entsprachen bis auf wenige Details
den von der DB beschafften Flachwagen SSlmas 53 (Rs 680) und wurden daher
als SSlmas 54 (Rs 681) eingereiht. Die Drehgestelle dieser Wagen erhielten
die Bauartnummer 934. Grundsätzlich entsprechen die Drehgestelle der
Bauart 934 der Bauart 931 nach Zeichnung Fwg 1092.04.80 (dreieckförmige
Bremsschaulöcher, mittlerer, optimierter Federbock), möglicherweise
waren bei den Drehgestellen der Bauart 934 (wie bei den ORE-Drehgestellen)
die Bremsklötze im Schwerpunkt aufgehängt.
Fotos von Rs 681 (mit hohen Nummern) aus den späten 1980er Jahren belegen, dass diese damals jedenfalls nicht mit originalen Drehgestellen der Bauart 934 unterwegs waren. Deren Drehgestelle wiesen insgesamt 4 kreisrunde Bremsschaulöcher auf, entsprechend Bauform 2.
Damit stellen sich bezüglich
der Drehgestell-Baureihe 934 weitere Fragen, die nur geklärt werden
können, wenn die Beschaffung der Wagen im Detail geklärt werden
kann.
Daten
| Minden Dorstfeld-Drehgestell | BA 931/934/932 |
| Zeichnungsnummer | s. Anm. |
| Achsstand | 2000 mm |
| maximaler Laufkreis-Durchmesser | 1000 mm |
| Querspiel der Achsen | ± 20 mm |
| Längsspiel der Achsen | ± 6 mm |
| Achsschenkelmittenabstand | 2000 mm |
| Blatt-Tragfedern | |
| Gestreckte Länge | 1200 mm |
| Anzahl der Federblätter | 8 |
| Federblattquerschnitt | 120 x 16 mm |
| Durchschnittsgewicht (incl. Radsätze, Bremse) | 5000 kg |
| erstes Baujahr | 1952 |
Anmerkung: Zu den Minden
Dorstfeld-Drehgestellen finden sich in den Unterlagen der Deutschen Bundesbahn
(DV 939 F von 1967) vier Zeichnungsnummern: Fwg 1092.04.56, Fwg 1092.04.80,
Fwg 931.04.000.02 und 934.04.000.01. Für die später durch Umbau
entstandene Bauart 932 wird in späteren Ausgaben die Zeichnungsnummer
0Fwg 167.04.000.932 angegeben. Die in der obenstehenden Tabelle angegebenen
Maße gelten generell für die von der UIC standardisierte Ausführung
des Minden Dorstfeld-Drehgestells. (Die UIC-Zeichnungsnummer für dieses
Drehgestell ist mir bislang leider nicht bekannt.)