Güterwagen-Drehgestelle: Minden Dorstfeld - Ausführungsvarianten, Bauarten 931, 932, 934

Version 2.01.97.1, Stand: 21. Oktober 2016

Inhaltsverzeichnis - Minden Dorstfeld/ORE Hauptmerkmale - Entwicklung - Ausführungsvarianten, Bauarten 931, 932, 934 - Sonderbauarten - ORE-Ausführung (mit Schwerpunktaufhängung) - ORE-adäquate Bauarten - SEAG 54 - nächstes Kapitel - Impressum
 

1. Bauart 931: 1.1 Bremsschaulöcher: Bauform mit dreieck- und kreisförmigen Schaulöchern -  mit kreisförmigen Schaulöchern - mit kreisförmigen und ovalen Schaulöchern - 1.2 Äußere Federböcke: geschweißt  - Pressblech - 1.3 Gleitbacken: genietet - geschweißt - 1.4 Bremsgestänge-Aufhängung - 1.5 Drehpfanne
2. Bauart 932 - 3. Bauart 934 - Daten
 

Ausführungsvarianten
Bei der Deutschen Bundesbahn wurden die von ihr beschafften Minden Dorstfeld-Drehgestelle unter der Bauart(-nummer) 931 geführt. Unter dieser Nummer wurden auch die Drehgestelle der ersten Entwicklungsstufe mit geteiltem inneren Federbock geführt, die auf der vorhergehenden Seite dargestellt wurden. Auf dieser Seite steht die Bauart-(nummer) 931 grundsätzlich für "vollentwickelte" Minden Dorstfeld-Drehgestelle, also auch für entsprechende Drehgestelle von Privatwageneinstellern. Im Lauf der gut zehnjährigen Bauzeit kam es zu einer Reihe von Ausführungsvarianten, die teils mehr, teils weniger augenfällig sind. Zum Teil finden sich diese Ausführungsvarianten auch bei "ausländischen" ORE-Drehgestellen.
 

1.1 Bremsschaulöcher
 
Minden Dorstfeld mit dreieck- und kreisförmigen Schaulöchern, Foto: Rudolf Ossig   Frühe Bauform des Minden Dorstfeld-Drehgestelles 
  (Mitte der Fünfzigerjahre, Bauform 1): 
  dreieckförmige Bremsschaulöcher im äußeren Bereich der Rahmen-
  Seitenwangen

  beachte: mittlerer Federbock - Pressblech

   Vekehrsbetriebe PeineSalzgitter, Kübelwagen 3118, 84 80 670 1 017-5;
   Foto (Ausschnitt): Rudolf Ossig, Bebra, Juni 1995

                                                                                                                                                   (Top)
 
Minden Dorstfeld mit kreisförmigen Schaulöchern
  Bauform 2:
  Minden Dorstfeld-Drehgestell in der Bauform der späten fünfziger und
  frühen Sechzigerjahre: je zwei
kreisrunde Bremsschaulöcher an jeder Achse

  beachte: mittlerer Federbock - Pressblech

   VTG Zagkks, 33 80 791 7 051-4; Hameln, 3. Oktober 1998 

                                                                                                                                                   (Top)
 
Minden Dorstfeld mit kreisförmigem und ovalem Schauloch   Bauform 3:
  Jüngste Bauform des Minden Dorstfeld- Drehgestelles (Mitte der
  Sechzigerjahre): 

  kreisförmige Bremsschaulöcher außen, ovale Bremsschaulöcher innen

  beachte: mittlerer Federbock - geschweißt, Rückstellfeder

   VTG Zas, 33 80 786 0 243-3; Heilbronn, 31. Dezember 1989

Mit großer Wahrscheinlichkeit hängt die Entstehung dieser drei Bauformen mit der Aufhängung der Bremsklotzschuhe (Güterwagen Drehgestelle - Sonstiges: Schwerpunktaufhängung) zusammen. Beim Minden Dorstfeld-Drehgestell sind die Bremsklotzschuhe - im Gegensatz zum ORE - Drehgestell nicht im Schwerpunkt aufgehängt und verfügen daher über eine Rückstellfeder, deren Zustand augenscheinlich kontrollierbar sein muss. Dies ist bei der Bauform 1 durch die dreieckförmigen äußeren Bremsschaulöcher, bei Bauform 3 durch die ovalen inneren Bremsschaulöcher der Fall, nicht aber bei Bauform 2. Diese Bauform ist für Bremsklotzschuhe, die im Schwerpunkt aufgehängt sind ausgelegt - so wie dies bei den ORE-Drehgestellen der Fall ist. Denkbar ist, dass es sich bei dieser Bauform um eine Weiterentwicklung des ORE-Drehgestells handelt, die von der Deutschen Bundesbahn mitvollzogen wurde, quasi "versehentlich", ohne die sich daraus für die Sichtkontrolle der Rückstellfeder ergebende Schwierigkeit zu erkennen. Die Bauform 3 wäre dann als Reaktion auf dieses Problem zu verstehen.
Bei den später entwickelten Drehgestellen der Bauarten 887 und Talbot, bei denen die Bremsklotzschuhe nicht oder zumindest zunächst nicht im Schwerpunkt aufgehängt waren und die ebenfalls nur zwei kreisrunde Bremsschaulöcher aufweisen, liegt das innere so tief, dass die geforderte Sichtkontrolle der Rückstellfeder wie bei den ovalen Bremsschaulöchern der Bauform 3 des Minden Dorstfeld-Drehgestelles möglich ist.

1.2 Äußere Federböcke
Während der mittlere Federbock ein recht markantes Bauteil des Minden Dorstfeld-Drehgestelles ist, fallen Änderungen bei der Gestaltung der äußeren Federböcke nur auf, wenn ein genaueres Hinsehen möglich ist. Es ist davon auszugehen, dass die äußeren Federböcke zunächst in Schweißbauweise (aus Blechzuschnitten) entstanden sind und dass diese Bauform während der Entwicklungsphase nicht verändert wurde.

Die "geschweißte" also aus zwei kleinen zugeschnitten Blechen und der Buchse für den Schakenbolzen bestehende Ausführung ist heute jedoch relativ selten, ich habe sie bislang nur in Verbindung mit der frühen Ausführung der Seitenwange beobachtet.
 
Minden Dorstfeld, äußerer Federbock aus Blechzuschnitten   Minden Dorstfeld-Drehgestell, 
  äußerer Federbock aus Blechzuschnitten (innerer Federbock:
  Pressblechbauteil)
- Uerdingen, 1955

  beachte ferner: dreieckförmiges Bremsschauloch, Rückstellfeder
 

   EVA Zagkks 33 80 791 5 771-9; Hameln, 17.Oktober 2002


 
Minden Dorstfeld, äußerer Federbock aus Pressblech, Foto: Jahn   Minden Dorstfeld-Drehgestell, 
  äußerer Federbock als Pressblech-Bauteil
 

   VTG 33 80 796 7 590-0; Hameln, 13.Februar 2006

1.3 Gleitbacken an den Achshalterausschnitten
Nur bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Gleitbacken an den Achshalterausschnitten bei Minden Dorstfeld-Drehgestellen der frühen Bauform (mit den dreieckförmigen Bremsschaulöchern) aufgenietet sind. Bei den beiden späteren Bauformen sind die Gleitbacken aufgeschweißt. In der Praxis ist dieser Unterschied nicht eindeutig erkennbar, da häufig Ablagerungen der Gleitbackenschmierung die Nietenköpfe nur noch erahnen lassen.
 

 
Minden Dorstfeld, genietete Gleitbacken; Foto: Jahn Minden Dorstfeld, geschweißte Gleitbacken; Foto: Jahn
  (Minden Dorstfeld-) ORE-Drehgestell 
  mit genieteten Gleitbacken

   SJ 506 643 P, Olsson, 1962 ?; Hameln, 3. Sept. 2008 Drehgestell gehört zu
   37 80 D-NACCO 791 2 657-9 Zagkks,
ex 33 74 781 3 073-0, Olsson 1962

  (Minden Dorstfeld-) ORE-Drehgestell 
  mit geschweißten Gleitbacken

   Drehgestell gehört zu 33 80 D-VTGD 792 3 005-2 Zagkks
   Hameln, 27. September 2008

1.4 Bremsgestänge-Aufhängung
Die Bremsgestänge-Aufhängung ist im Betrieb praktisch kaum zu sehen, daher fallen Veränderungen eigentlich nur auf, wenn man ausgebaute Drehgestelle oder gelagerte Drehgestellrahmen zu Gesicht bekommt.
 
Minden Dorstfeld-Drehgestell nach Zeichnung Fwg 1092.04.80 Minden Dorstfeld-Drehgestell nach Zeichnung Fwg 931.04.000.02
  Minden Dorstfeld-Drehgestell nach Zeichnung Fwg 1092.04.80

  Bremsgestänge wagenaußen und -innenseitig an rohrförmigem Querträger
  angeschlagen

  Quelle: DV 939 F, Jan. 1967 (bearbeitet)

  Minden Dorstfeld-Drehgestell nach Zeichnung Fwg 931.04.000.02

  Bremsgestänge wageninnenseitig an Hilfslangträgern angeschlagen


   Quelle: DV 939 F, Jan. 1967 (bearbeitet)


 
Drehpfanne mit Kunststoffeinlage
  Minden Dorstfeld-Drehgestell nach Zeichnung Fwg 1092.04.80
  Bremsgestänge und -aufhängung (rechts: wageninnenseitig, zu den Puffern hin, links: wagenaußenseitig, zur Wagenmitte und zum Bremszylinder hin), 
  Drehpfanne mit Kunststoffeinlage. Die Kunststoffeinlage wurde nachträglich eingefügt, Drehgestelle mit Kunststoffeinlage in der Drehpfanne sind an den
  fehlenden (bzw. abgebauten) seitlichen Ölbehältern
 erkennbar.

   Drehgestell gehört zu Tyzcka Zagkks 33 80 791 8 390-5; Bebra Rbf, 24. November 2002, Fotos: Rudolf Ossig


 
(Minden Dorstfeld-) ORE-Drehgestell, Bremsaufhängung; Foto: Jahn   (Minden Dorstfeld-) ORE-Drehgestell 
  (Seitenwangen gemäß Fwg  1092.04.80,
  Hilfslangträger gemäß Fwg 931.04.000.02)

  Bremsgestänge wageninnenseitig an Hilfslangträgern angeschlagen

   SJ 506 643 P, Olsson, 1962?; Hameln, 3. Sept. 2008
   Drehgestell gehört zu 37 80 D-NACCO 791 2 657-9 Zagkks,
   ex 33 74 781 3 073-0, Olsson 1962

1.5 Drehpfanne
Es ist davon auszugehen, dass es auch für die Drehpfannen mindestens zwei Zeichnungen gegeben hat und dass bei entsprechenden Gegebenheiten Unterscheide in der Ausführung der Drehpfannen augenscheinlich erkennbar sind.
Äußerlich ist jedoch eine Veränderung leichter erkennbar, die nicht an mit den Zeichnungen der Drehpfannen in Verbindung gebracht werden kann.

Ursprünglich musste bei allen Minden Dorstfeld-Drehgestellen die Drehpfanne geschmiert werden. Dazu befanden sich an beiden Seiten des Wagenuntergestells Ölbehältern von denen aus das Schmieröl mit dünnen Rohren in die Drehpfanne geleitet wurde. In den 1970er Jahren wurden Kunststoffeinlagen entwickelt, die das Schmieren der Drehpfannen überflüssig machten und die ab den 1980er Jahren verstärkt auch bei Altbau-Drehgestellen zum Einsatz kamen. Nachträglich mit derartigen Kunststoffeinlagen versehene Drehgestelle sind an den abgebauten seitlichen Ölbehältern erkennbar.

2. Bauart 932
In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wurden Vorbereitungen für die Einführung der Automatischen Kupplung/Mittelpuffer-Kupplung getroffen, die in den 1970er die Schraubenkupplung ablösen sollte. In diesem Zusammenhang wurden einerseits neue Wagen und neue Drehgestelle (Bauart 887, Minden Siegen, Y 25) entwickelt. Andererseits mussten für vorhandene Wagen, die nach bis dahin geltenden Konstruktionsprinzipien gebaut wurden und noch längst nicht abgeschrieben waren, Umbaulösungen gefunden werden. Besonders dringlich war dies bei Drehgestellwagen mit kurzem Überhang um die Kupplungspatrone einbauen zu können (sogenannter "Hüllraum"). In besonderer Weise betraf dies die ab den 1950er Jahren in großen Stückzahlen beschafften Sattelwagen (Fal- und Tal-Wagen). Um diese Wagen weiter verwenden zu können, wurde ein Umbaukonzept für die Drehgestelle der BA 931 entwickelt und mit dem Umbau dieser Drehgestelle begonnen.
  
 

Minden Dorstfeld-Drehgestell nach Zeichnung Fwg 931.04.000.02 Minden Dorstfeld-Drehgestell nach Zeichnung 0Fwg 167.0.04.000.932
  Minden Dorstfeld-Drehgestell nach Zeichnung Fwg 931.04.000.02

  Bremsgestänge  wagenaußen an rohrförmigem Querträger angeschlagen

   Quelle: DV 939 F, Jan. 1967 (bearbeitet)

  Minden Dorstfeld-Drehgestell, BA 932 
 nach Zeichnung 0Fwg 167.0.04.000.932

  Bremsgestänge wagenaußenseitig an Hilfslangträger angeschlagen

  Quelle: Deutsche Bundesbahn, BZA Minden (Westf) Dez 43, 
  Privatwagen-Angelegenheiten. Nachtrag zu BZA-Rundschreiben Nr. 21, 22 und 28:
  Typen-Aufstellung - mit überarbeiteten
Konstruktions-Merkmalen der Güterwagen-
  Drehgestelle.
 Vorläufiger Entwurf. Stand: 11.87



  Minden Dorstfeld-Drehgestell, BA 932
  (nach weiterem Umbau von Teilen des Bremsgestänges?)

 

  Quelle: Archiv FVG, Reinheim
  (Hintergründe, Ort und Datum der Aufnahme unbekannt)



Die umgebauten Drehgestelle der BA 932 müssen und werden (so weit gegenwärtig überhaupt noch vorhanden) für AK-vorbereitete Wagen verwendet. Das Umbauprogramm für diese Drehgestelle wurde aber zu Beginn der 1970er Jahre, als feststand, dass es bis auf weiteres nicht zur Einführung der Automatischen Kupplung kommt gestoppt. "Auf dem Papier" galt allerdings noch bis in die 1990er Jahre die Vorschrift, dass nicht umgebaute Drehgestelle der BA 931 nicht unter "AK-angepassten" Wagen laufen dürfen. In der Praxis wurden jedoch Wagen mit längerem Überhang (zum Beispiel private Kesselwagen, aber auch DB Rs 680) für die Aufnahme der Automatischen Kupplung vorbereitet ohne dass in diesem Zusammenhang die Drehgestelle umgebaut wurden.

3. Bauart 934
Im Jahr  1954 beschafften die Eisenbahnen des Saarlandes 250 vierachsige UIC Standard-Flachwagen, die 1957 zur DB gelangten. Diese Wagen entsprachen bis auf wenige Details den von der DB beschafften Flachwagen SSlmas 53 (Rs 680) und wurden daher als SSlmas 54 (Rs 681) eingereiht. Die Drehgestelle dieser Wagen erhielten die Bauartnummer 934. Grundsätzlich entsprechen die Drehgestelle der Bauart 934 der Bauart 931 nach Zeichnung Fwg 1092.04.80 (dreieckförmige Bremsschaulöcher, mittlerer, optimierter Federbock), möglicherweise waren bei den Drehgestellen der Bauart 934 (wie bei den ORE-Drehgestellen) die Bremsklötze im Schwerpunkt aufgehängt.

Fotos von Rs 681 (mit hohen Nummern) aus den späten 1980er Jahren belegen, dass diese damals jedenfalls nicht mit originalen Drehgestellen der Bauart 934 unterwegs waren. Deren Drehgestelle wiesen insgesamt 4 kreisrunde Bremsschaulöcher auf, entsprechend Bauform 2.

Damit stellen sich bezüglich der Drehgestell-Baureihe 934 weitere Fragen, die nur geklärt werden können, wenn die Beschaffung der Wagen im Detail geklärt werden kann.

Daten
  Minden Dorstfeld-Drehgestell   BA 931/934/932
  Zeichnungsnummer   s. Anm.
  Achsstand   2000 mm
  maximaler Laufkreis-Durchmesser   1000 mm
  Querspiel der Achsen   ± 20 mm
  Längsspiel der Achsen   ± 6 mm 
  Achsschenkelmittenabstand   2000 mm
  Blatt-Tragfedern  
    Gestreckte Länge    1200 mm
    Anzahl der Federblätter   8
    Federblattquerschnitt   120 x 16 mm
  Durchschnittsgewicht (incl. Radsätze, Bremse)   5000 kg
  erstes Baujahr   1952

Anmerkung: Zu den Minden Dorstfeld-Drehgestellen finden sich in den Unterlagen der Deutschen Bundesbahn (DV 939 F von 1967) vier Zeichnungsnummern: Fwg 1092.04.56, Fwg 1092.04.80, Fwg 931.04.000.02 und 934.04.000.01. Für die später durch Umbau entstandene Bauart 932  wird in späteren Ausgaben die Zeichnungsnummer 0Fwg 167.04.000.932 angegeben. Die in der obenstehenden Tabelle angegebenen Maße gelten generell für die von der UIC standardisierte Ausführung des Minden Dorstfeld-Drehgestells. (Die UIC-Zeichnungsnummer für dieses Drehgestell ist mir bislang leider nicht bekannt.)
 
 


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